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Ende der Reise:Ab in die Hölle

Was ist da schief gelaufen? Trumps Team hält am 7. November eine Pressekonferenz vor dem ´Four Seasons` in Philadelphia, Pennsylvania. War halt ein Gartencenter, kein Hotel.

(Foto: John Minchillo/AP)

Wenn sich ein Übel schon viel länger auf dieser Welt hält, als es Corona und Trump tun, dann sind dies doch die immer gleichen Hotelnamen. Auch der amtierende US-Präsident machte damit gerade eine schmerzliche Erfahrung.

Von Dominik Prantl

Was haben vor ein paar Tagen wieder alle gelacht, als das Kampagnenteam des amtierenden US-Präsidenten eine Pressekonferenz vor der Landschaftsgärtnerei Four Seasons abhielt, weil der Laden offenbar mit dem gleichnamigen Hotel verwechselt wurde. Überzeugte Demokraten klopften sich twitternd auf die Schenkel; was für eine Bande von Holzköpfen, so der Tenor, und laut Guardian nutzte das Gartencenter den Besuch sogleich für einen wortwitzigen Werbespruch: Lawn and Order, Rasen und Ordnung. War auch zu lustig, wie Trumps Pitbull-Anwalt Rudy Giuliani auf einem schmucklosen Parkplatz zwischen Dildo-Shop und Krematorium etwas von Wahlbetrug faselte. Aber weil derzeit zu selten das Gute im Menschen und erst recht nicht in Donald Trump und seinem Clan gesehen wird, dachte kaum jemand an den eigentlichen Kern des Problems.

Denn wenn sich ein Übel schon viel länger auf dieser Welt hält, als es Corona und Trump tun, dann sind dies doch die immer gleichen Hotelnamen, mal ganz ehrlich. Schöne teure Four-Seasons-Hotels gibt es zum Beispiel auch in den deutschen Großstädten Hamburg, Berlin und München, wobei du da als amerikanischer Pressekonferenzen-Organisator besser "Vier Jahreszeiten" sagen lernst, weil man sonst in einem Kosmetikstudio im Stadtteil Untermenzing oder bei einer Autoreinigungsfirma in Giesing landet. Noch viel schwieriger ist freilich eine Verabredung in der "Post". Zwar gibt es davon heute nicht mehr ganz so viele wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Aber möglicherweise reiht man sich im Stadtzentrum brav und Abstand haltend in eine Menschenschlange ein, an deren Ende es zwar keine Zimmer, aber immerhin Briefmarken gibt. Unter den Top Ten der häufigsten deutschen Hotelnamen rangieren außerdem "Zum Löwen" und "Grüner Baum". Um den grünen Baum kommt man zumindest in Österreich schon deshalb nicht herum, weil dort laut Trump ohnehin alle im Wald leben.

Dabei gab und gibt es schon auch Hotelnamen, die vielleicht nicht unbedingt besser, aber garantiert ungewöhnlicher sind; in Deutschland etwa die Trollmühle oder das Hotel Roter Ochs. In der polnischen Stadt Sopot steht tatsächlich das Lunatic Hostel, zu deutsch: die Irren-Herberge, und in Costa Rica die Funky Monkey Lodge, was in etwa das gleiche bedeutet. Schwer zu toppen sind freilich die USA mit Unterkünften wie dem Comfort Inn & Suites Truth or Consequences (so heißt auch die Kleinstadt außenrum), also: Wahrheit oder Pflicht. Wer nun an den US-Präsidenten und den Advocatus Diaboli Giuliani denken sollte, dem sei nur noch gesagt, dass es in Norwegen ein Scandic Hell und in Salzburg das Hotel Hölle gibt.

© SZ vom 12.11.2020
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