bedeckt München 10°
vgwortpixel

An der Küste Dalmatiens:Unterwegs im Rückzugsgebiet

Seht her, hier sind wir, und hier ist unser tolles Land. Vielen fällt es schwer zu verstehen, warum nicht alle Welt die Begeisterung der Kroaten für ihre sich im Aufbruch befindliche Heimat teilt und stattdessen weiterhin am anderen Ufer der Adria, in Italien, oder weiter unten, in Griechenland und der Türkei, ihren Urlaub verbringt.

Sibenik

Sibenik

(Foto: Foto: Damir Fabijanic)

Denn viel mehr als den Tourismus haben sie hier unten, im mittleren Dalmatien, nicht. Wer immer die Gelegenheit hat, geht in die Hauptstadt Zagreb. Oder gleich ins Ausland.

In der Ruhe liegt die Chance

Dabei liegt in der Ruhe, in der Gemächlichkeit die große Chance Dalmatiens. Antonio Karlovic ist wegen dieser Ruhe immer wieder zurückgekehrt von seinem Kreuzfahrtschiff. Auch er liebt etwas Einmaliges an seiner Heimat - den steten Wechsel von Bura und Yugo.

Die beiden Winde bestimmen das Klima entlang der dalmatinischen Küste, den Lebensrhythmus, und ohne sie, sagt Karlovic, könne er nicht lange sein. Er stammt aus Makarska, einem an zwei Buchten gelegenen Badeort in Mitteldalmatien, wo Yugo und Bura, wie sie hier den weithin als Bora bekannten Wind nennen, besonders heftig wehen.

Die eine Bucht beherbergt einen sehr schönen Yachthafen und überrascht jene, die sich Makarska vom Meer her nähern, mit der pittoresken Schauseite des Ortes. Am schmalen Kiesstrand der zweiten Bucht streiten sich in der Hochsaison vornehmlich Briten und Deutsche um die raren Liegeplätze. Derzeit entstehen neue Hüpfburgen und ein Containerdorf mit kleinen Läden und Bars hinter der Uferpromenade, der Urlauber wegen.

Gänzlich anders

Antonio Karlovic mag diese Art von Rummel nicht. Baden geht er ein paar Kilometer südlich von Makarska, wo weniger Trubel herrscht. Noch lieber steigt er in den Biokovo hinauf, jenen Gebirgszug, dessen Abhänge um Makarska bis ans Meer reichen und dessen Gipfel mitunter 1400 Meter aufragen, der höchste, der Sveti Jure, misst 1762 Meter.

Von dort oben kann man weit nach Bosnien hinein sehen und in die Herzegowina - Landschaften, die gänzlich anders sind als Dalmatien. Kontinental.

Vom Dach des Biokovo fährt der Bura, der trockene Luft aus dem Landesinneren und mithin gutes Wetter bringt, besonders heftig auf die Küste nieder. Auch der zweite Wind, der Yugo, der feucht vom Meer her bläst, entfaltet entlang dem Gebirge mehr Wirkung als andernorts.

Er bleibt am Biokovo hängen, seine Niederschläge machen die Hänge fruchtbar, sie klaren die Atmosphäre auf und nehmen regelmäßig die drückende Schwüle von Makarska.

Keinerlei Beengung

Der karstige Riegel des Biokovo schirmt die Küste auf einer Länge von beinahe achtzig Kilometern vom Hinterland ab. Erst die Habsburger haben 1870 eine Straße hinauf gebaut, und hundert Jahre lang blieb dies die einzige, mühselige Verbindung nach Bosnien.

Wer meint, dass sich die Bewohner Dalmatiens beengt fühlen auf ihrem schmalen Stachel Land, der nach Dubrovnik hin immer spitzer zuläuft und an der schmalsten Stelle nur acht Kilometer misst, der irrt.

Sie haben das Meer mit seinen zahlreichen Inseln; und die vielen Quadratmeilen der Riffe und Inseln und Kanäle und Fahrrinnen bilden gemeinsam mit dem Festland eine unzertrennliche Einheit. Wer in diese Gewässer eingedrungen ist, so wie die Venezier, die Teile Dalmatiens vom frühen 15. Jahrhundert an über mehr als 370 Jahre hinweg beherrscht haben, der musste einsehen, wie weitläufig dieser enge Küstenstreifen ist.

Dalmatinische Seeräuber, die es auf die Schiffe der Besatzer abgesehen hatten, nutzten den Biokovo als Rückzugsgebiet, in das ihnen kaum jemand folgen konnte.