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An der Küste Dalmatiens:Unterwegs im Rückzugsgebiet

Enklaven der Ruhe: Im Biokovo, auf den Kornaten und auf Split sucht Kroatien den touristischen Neuanfang.

Kroatien ist ein Land der Superlative. Das kleine Kroatien! Gerade mal fünf Millionen Menschen wohnen hier. Und noch einmal so viele Kroaten leben außerhalb seiner Grenzen. Schon diese Quote gilt den Kroaten als Meisterleistung - umstandslos deklarieren sie sich selbst zum gefragtesten Exportartikel ihrer Heimat.

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Blick auf die historische Altstadt von Dubrovnik.

(Foto: ddp)

Man stelle sich das einmal vor, heißt es allenthalben: Kroatien findet unter seinen wenigen Einwohnern so viele gute Fußballer, dass die Nationalmannschaft mitunter erst im Halbfinale einer Weltmeisterschaft ausscheidet und obendrein einer der ihren bei so einem Turnier die meisten Tore schießt.

Ob man denn wisse, dass die Ski fahrenden Geschwister Janica und Ivica Kostelic Kroaten sind? Mehrfache Olympiasiegerin die eine, Weltmeister der andere; und dies, obgleich ihre Heimat nicht einmal über etwas verfügt, das man mit viel gutem Willen als Skigebiet bezeichnen könne.

Obendrein hat Goran der Große vor drei Jahren das Tennisturnier in Wimbledon gewonnen. Und Ivo Karlovic oder Mario Ancic werden es Goran Ivanisevic alsbald gleich tun, ganz bestimmt.

Der Erfinder des Wechselstroms war natürlich ein Kroate, das wisse nur niemand. "Was täten wir ohne Nikola Tesla?", fragen die Kroaten diejenigen, die sich diese Frage noch nie gestellt haben und auch jene nicht, wer denn nun den Kugelschreiber erfand. Es war Eduard "Pen" Penkala, ein Kroate.

Marco Polo sei in Kroatien geboren. Die Krawatte kommt aus Kroatien. Das sauberste Wasser im ganzen Mittelmeer brandet an die kroatische Küste, der am längsten dauerhaft bewohnte Palast steht an diesen Ufern. Ach, du kleines großes Kroatien.

Nur die Besten

Kroaten wie der Bergführer Antonio Karlovic können diese Großmannssucht nur schwer ertragen. Karlovic wird mürrisch, wenn man ihn scherzhaft nach weiteren Rekorden fragt; Er findet den wahnhaften Eifer vieler seiner Landsleute kleinkariert, in allem die Besten sein zu wollen.

Die Touristen kämen unter anderem wegen der Naturparks ins mittlere Dalmatien, aber doch nicht, weil sich irgendjemand irgendwelche Rekorde zusammenfantasiert habe in Bezug auf die Parks - die meisten auf engstem Raum in einem slawischen Land oder so etwas in der Art.

In der Tat: Brächte man den Kellnern dieses Landes bei, dass sie durchaus an einen Tisch treten dürfen, bevor der Gast sie mit körperlicher Gewalt dorthin zwingt, wäre dem Tourismus in Kroatien sicherlich mehr geholfen, als wenn man damit prahlte, dass Šibenik als dritte europäische Stadt elektrifiziert wurde, was ohnehin nicht stimmt.

Früher ist Antonio Karlovic vor derlei Getöse regelrecht geflohen. Hat zehn Winter hintereinander auf einem Kreuzfahrtschiff als Sommelier angeheuert und lernte auf diese Weise die Welt kennen. Das hat ihm auch erspart, sich am Krieg gegen Serbien beteiligen zu müssen. "Ich bin stolz darauf, niemanden getötet zu haben", sagt Karlovic.

Der Krieg. Er hat einer ganzen Generation ihre Jugend geraubt. Als er vorbei war, sollte das Leben endlich beginnen. Am besten auf der Überholspur.

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Küste Dalmatiens