Amerika, der Länge nach (XVIII) Mexiko City auf die sichere Art

In der Hauptstadt unterwegs mit modernen Pauschaltouristen: Kontakt zu Einheimischen, Entdeckungen abseits der empfohlenen Routen - alles viel zu gefährlich, mahnt der Backpacker-Führer "Lonely Planet".

Von Robert Jacobi

In Mexiko City betrete ich die Backpackerszene. Dabei handelt es sich um Menschen zwischen zwanzig und dreißig. Sie kommen aus Israel, Deutschland, Schweiz, Australien, Dänemark oder den Niederlanden. Für einige Monate reisen sie im Bus durch Lateinamerika. Warum, wissen sie nicht genau. Wenn sie nicht im Bus schlafen, dann im Schlafsaal eines Hostels, das der Lonely Planet empfohlen hat.

(Foto: Grafik: Thiessat)

Das ist die moderne Art des Pauschaltourismus. Die Route ist festgelegt und führt zu genau den Orten, die im Reiseführer als sehenswert eingezeichnet sind. Die Hostels bieten Gruppenausflüge in die Gegend an. Das Risiko ist begrenzt. Der Kontakt mit Einheimischen auch. Manchmal schleicht sich ein älterer, alleinreisender Mann in die Hostels, der sich teuer hat scheiden lassen und die Welt sehen will.

Ich mache mit. Zu einsam bin ich im Ford durchs Land gefahren. Auf dem Sofa im Hostal Moneda in Mexiko City sitzen Sivan und Tali aus Tel Aviv. Sie überreden mich, die Tour zu den Pyramiden der Azteken in Tenochtitlan zu buchen. Die Tour kostet fünfundzwanzig Dollar. Fünf Mal mehr als das Bett im Schlafsaal. Und zehn Mal mehr, als mit dem Linienbus zu fahren. Aber ich freue mich.

Nach dem langen Tag mit Reifenpanne, Verfolgungsjagd und Tankbetrug habe ich im Bus über Guadalajara nach Mexiko City tief geschlafen. Am Terminal del Norte steige ich aus. Die Sonne scheint, und die Stadt ist freundlich. Niemand überfällt mich, es stinkt nicht und der Himmel ist blau. Sofort finde ich einen Bus in die Innenstadt. An Präsidentenpalast und Kathedrale vorbei komme ich zum Hostal.

Dort fülle ich die Wäschetrommel. Auf der Straße kaufe ich drei Tacos und einen Fruchtsalat. Dann schlafe ich wieder. Am Morgen sitze ich mit Sivan und Tali im Kleinbus. Vorne scherzt unser Führer. Hinten sitzen noch David aus Mexiko, Annaliese aus England, ein Amerikaner aus Boston, dessen Namen ich vergessen habe, und ein junges, scheinbar sehr verliebtes Paar aus Landshut.

Am Platz der Drei Kulturen erfahren wir, dass das Militär vor den Olympischen Spielen 1968 hier mehrere hundert Studenten erschossen hat. Am Schrein der Jungfrau von Guadelupe sehen wir kranke Menschen, die auf ihren Knien zur Wallfahrtsstätte rutschen. In einem Vorort zeigt uns ein Mexikaner, wie Tequila aus Agavensaft hergestellt wird. Wir betrinken uns. Ich kaufe eine Flasche.

Irgendwo in Mexiko City gibt es Slums. Die sehe ich als Backpacker nicht. Wir besteigen erst die kleine, dann die große Pyramide. Abends trinken wir auf der Dachterrasse des Hostels wieder Tequila. Ein Feuerwerk beginnt. Sivan geht schlafen. Israelis mögen Feuerwerk nicht. Der Barkeeper verbietet uns, den mitgebrachten Tequila zu trinken. Wir verstecken uns mit der Flasche auf einem Bett im Schlafsaal.

Backpacker gehen abends in Mexiko City nicht aus. Im Lonely Planet steht, dass es zu gefährlich ist. Der Verlag will nicht verklagt werden. Tagsüber nehme ich die Metro ins Künstlerviertel Coyoacan. Ich besuche das blaue Haus von Frida Kahlo und Diego Rivera. Danach das Haus von Leo Trotzki. Stalin hatte ihn verjagt. Kahlo schlief mit Trotzki. Rivera hat sich getrennt.

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Mexiko City bis Guatemala