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Zwischenfall in Berlin:Mitglied des Zentralrats der Juden in Berlin bedroht

Es ist Jom Kippur, der höchste Feiertag im Judentum. Ein Mann geht mit seinen vier Kindern von der Synagoge nach Hause, plötzlich steht ein Fremder vor ihm und meint, dass er hier "nichts zu suchen habe". Der Beschimpfte ist der Generalsekretär des Zentralrats der Juden und er hat ein Messer dabei. Die Polizei ermittelt nun wegen "wechselseitiger Bedrohung".

Es ist erst einen Monat her, dass ein Rabbiner und seine Tochter in Berlin angegriffen wurden. Jetzt ist auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, in Berlin auf offener Straße bedroht worden. Am vergangenen MIttwoch war Jom Kippur, im Judentum der höchste Feiertag. "Der Mann hat sich offensichtlich durch mein offen getragenes Gebetbuch und meinen Bart provoziert gefühlt", bestätigte Kramer einen Bericht der Bild-Zeitung.

Stefan Kramer

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, ist in Berlin auf offener Straße bedroht worden.

(Foto: dpa)

Er wisse zwar nicht, ob der Mann sehen konnte, dass es sich um ein jüdisches Gebetbuch gehandelt habe. "Fremdenfeindlich ist es mit Sicherheit gewesen", sagte Kramer. Der Passant habe ihn mehrfach aufgefordert, "von hier zu verschwinden" und gesagt, Kramer habe "hier gar nichts zu suchen".

Kramer war nach eigenen Angaben mit seinen vier Kindern auf dem Weg von der Synagoge nach Hause, als sich der Vorfall in der Nähe eines Imbisses unweit des Kurfürstendamms ereignete. Der Mann habe ihn mehrfach bedrängt, wiederholt sei er ihn "sehr aggressiv angegangen", sagte Kramer.

Um den Mann abzuschrecken, habe er ihm dann gezeigt, dass er eine Waffe trage. "Die Waffe hat das Holster nicht verlassen", betonte Kramer. Er habe die Situation lediglich deeskalieren wollen. Der Imbissbesitzer rief während des Vorfalls die Polizei, die laut Kramer nach 15 bis 20 Minuten eintraf. Beide an dem Vorfall beteiligten Männer erstatteten Anzeige.

"Wechselseitige Bedrohung"

Die Polizei teilte mit, sie ermittele wegen "wechselseitiger Bedrohung". Einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Streits wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht bestätigen. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem zweiten Mann um einen 30-Jährigen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte den Zwischenfall: "Drohungen auf offener Straße gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger sind unerträglich und absolut nicht akzeptabel", sagte er. Es gehe alle Bürger etwas an, wenn Menschen in Berlin wegen ihrer Religionszugehörigkeit bedroht oder angegriffen würden. Über die "konsequente Reaktion der Sicherheitsbehörden" hinaus bleibe es Aufgabe der Zivilgesellschaft, "jede Form von Antisemitismus und Fremdenhass zu ächten".

"Es hat den Anschein, dass es ein Akt von Fremdenfeindlichkeit war", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/fzg/olkl

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