Zum Tod von Helmut Schmidt "Der Lotse ist von Bord gegangen"

Helmut Schmidt starb am Dienstag in Hamburg.

(Foto: dpa)

Freunde und Weggefährten verneigen sich vor dem verstorbenen Altkanzler. Die Reaktionen.

Helmut Schmidt ist tot. Er starb am Dienstag in seinem Haus in Hamburg mit 96 Jahren. So verabschiedeten Kollegen, Freunde und ehemalige Weggefährten den Altkanzler.

"Wir trauern um einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit", schrieb Bundespräsident Joachim Gauck an Susanne Kennedy-Schmidt, die Tochter von Helmut und Loki Schmidt. Schmidt habe "Großes geleistet", so Gauck, er sei ein "leidenschaftlich vernünftiger Denker" gewesen. "Helmut Schmidt wird uns allen als ein Mensch in Erinnerung bleiben, der in seltener Einheit ein Mann der Tat, des klaren Gedankens und des offenen Wortes war. Er hat sich um unser Land verdient gemacht."

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Schmidt in einem Beileidsschreiben an dessen Tochter als "eine der bedeutendsten politischen und intellektuellen Persönlichkeiten unseres Landes". Seine Meinung habe nicht wenigen Menschen bis zuletzt als Kompass gedient.

Ein "Vordenker" und "großer Staatsmann"

Die SPD-Fraktion im Bundestag, die Schmidt selbst von 1967 bis 1969 geführt hatte, gedachte des zweiten Kanzlers der SPD nach Willy Brandt mit einer Schweigeminute. SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete Schmidt als "großen Europäer" und "großen Sozialdemokraten". Er habe "mit Zuversicht und Realismus unser Land gestaltet, über Generationen hinweg werde Schmidt "den Deutschen als einer der bedeutendsten Staatsmänner unseres Landes in Erinnerung" bleiben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier(SPD) nannte Schmidt einen "Vordenker" und "großen Staatsmann". Generationen hätten Schmidts Klugheit und Autorität bis an sein Lebensende gesucht und geschätzt. "Helmut Schmidt war ein großer Staatsmann, bis zur letzten Zigarette", sagte Steinmeier. "Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: "Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Schmidt. Er war überzeugter Sozialdemokrat und großer Europäer. Er wird uns fehlen."

SPD-Vize Ralf Stegner würdigte Schmidt als großen Sozialdemokraten. "Helmut Schmidt hat sich um Deutschland verdient gemacht. Er war in seiner Gradlinigkeit und seiner Überzeugung vielen ein Vorbild. Dieser große Politiker, Parlamentarier und Publizist wird nicht nur den Sozialdemokraten fehlen."

Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments und SPD-Politiker, sagte: "Er war ein herausragender Kanzler, sein Tod markiert eine Zäsur für Deutschland und Europa. Schmidts intellektuelle Brillanz, analytische Schärfe, Geradlinigkeit und Prinzipientreue bleiben unvergleichlich."

"Der Lotse ist von Bord gegangen", sagte Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD): Wir trauern um einen großen Menschen, Staatsmann und Sozialdemokraten."

Altkanzler Gerhard Schröder sagte der Bild-Zeitung: "Wie nur wenige in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat er es verstanden, durch beherztes staatliches Handeln existenzielle Krisen zu meistern und zugleich den Menschen Orientierung in Zeiten der Unsicherheit zu geben",

"Er hat Politik kraftvoll gestaltet - gerade in Krisenzeiten."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: "Deutschland hat einen Großen verloren. Als Bürgermeister von Hamburg, als Finanzminister und als Bundeskanzler, Helmut Schmidt wusste, worauf es ankam. Er hat Politik kraftvoll gestaltet - gerade in Krisenzeiten." CDU-Generalsekretär Peter Tauber dankte Helmut Schmidt "für seinen Dienst an unserem Land - persönlich und im Namen der CDU." Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich um 18 Uhr äußern.

Die Grünen-Vorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir sagten: "Auch wenn die Grünen gerade in der Gründungsphase in wichtigen Fragen oft auf der anderen Seite der Debatte standen, werden wir Helmut Schmidt, seinen Scharfsinn und seine Freude an der politischen Auseinandersetzung vermissen.

Die Wochenzeitung Die Zeit, deren Mitherausgeber Schmidt nach dem Ende seiner Kanzlerschaft war, würdigte Schmidt mit diesen Worten: "Wir verlieren einen scharfsinnigen Ratgeber, einen verlässlichen Wegbegleiter und guten Freund." Chefredakteur Giovanni di Lorenzo sagte in Hamburg: "Helmut Schmidt ist tot und wir, die ihn überlebt haben, müssen jetzt erwachsen werden. Ob wir es wollen oder nicht."

Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) äußerte sich bestürzt über den Tod von Altkanzler Schmidt. "Wir wissen, Deutschland ist ärmer geworden, und wir empfinden, er wird uns fehlen - immer wieder", heißt es in einer Erklärung, die von Genschers Büro verbreitet wurde. "Für mich ist der Tod Helmut Schmidts der Abschied von einem Weggefährten in schwerer Zeit".

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