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Zivilgesellschaft:Tausende demonstrieren gegen Rechts­extreme

Demo gegen rechte Kundgebung

Demonstranten in Kassel zeigen Neonazis den Mittelfinger.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Mehr als 10000 Bürger gehen in Kassel, 3000 in Halle auf die Straße, um gegen Aufzüge von Rechtsradikalen zu protestieren. Vor allem ein Neonazi-Aufmarsch gilt als Provokation.

Mehr als 13 000 Menschen haben sich am 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler in Kassel und Halle gegen Auftritte von Rechtsextremen zur Wehr gesetzt. In Kassel protestierten zehntausend Bürger gegen einen Marsch der extremistischen Splitterpartei "Die Rechte", den Verwaltungsgerichte in zwei Instanzen entgegen der Anträge der Stadtverwaltung erlaubt hatte. Die "Rechte" demonstrierte mit 120 Anhängern in einem abgeriegelten Stadtteil.

In Halle gingen etwa 3000 Menschen gegen einen geplanten Aufmarsch der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung der "Identitären" auf die Straßen. Die Gruppe hat in der sachsen-anhaltischen Stadt ein Haus. Die Manifestation der Rechtsextremen wurde von der örtlichen Versammlungsbehörde aus Sicherheitsgründen untersagt. Die Gruppe zog nicht vor Gerichte, um ihre Veranstaltungen durchzusetzen.

Die Aufmärsche in beiden Städten verliefen weitgehend friedlich. Es gab lediglich kleinere Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei. Ein Anhänger der "Rechten" wird sich noch wegen des Zeigens verfassungswidriger Symbole rechtfertigen müssen. Er hatte ein tätowiertes Nazi-Motiv unbedeckt gelassen.

In Kassel war ein Großaufgebot der Polizei zum Schutz von Demonstranten und Gegendemonstranten aufgezogen. Die Innenstadt war weitgehend abgeriegelt, Busse und Bahnen fuhren nicht. Letzteres erschwerte den allesamt auswärtigen Anhängern der "Rechten", die am Vormittag am Bahnhof der Stadt eingetroffen waren, den Weg zum Treffpunkt ihrer Gruppe. Die Kundgebung der Neonazis verzögerte sich deshalb.

Ihr Auftritt war in Kassel als Provokation verstanden worden, weil die "Rechten" ursprünglich am Regierungspräsidium vorbeiziehen wollten, dessen Chef Walter Lübcke Anfang Juni mutmaßlich von einem Neo-Nazi ermordet worden war. Diese Marschroute hatte die Stadt jedoch verboten.