Lafontaines Flucht aus allen politischen Ämtern stellte die innerparteilichen Kräfteverhältnisse in der SPD auf den Kopf. Bis dahin dominierte Lafontaine die programmatische Umsetzung der Regierungspolitik. Mit seinem Rücktritt war der Parteilinken die Führungsfigur abhandengekommen. In der Programmdebatte der SPD sollten die folgenden Jahre die "Modernisierer" um Schröder Oberwasser behalten.

Als Privatier zog sich Lafontaine zunächst ins Saarland zurück, allerdings setzte er sich immer wieder in Szene: auf Demonstrationen, Gewerkschaftskundgebungen und auch bei Veranstaltungen der saarländischen SPD, die im selben Jahr die Landtagswahl verlor.

Lafontaines Rückzugstheater war wohl ein Faktor für den Verlust der Macht an der Saar. viele CDU-Anhänger glaubten dies auch: In der Wahlnacht zogen sie mit "Oskar, wir danken dir!"-Gesängen vor sein Privathaus.

Diese Aufnahme zeigt Lafontaine auf einer Protestveranstaltung gegen den Kosovo-Krieg im Mai 1999. Die Voraussetzungen für die militärische Intervention mit deutscher Beteiligung war im Herbst 1998 im Bundestag geschaffen worden - mit dem Segen des damaligen SPD-Chefs Lafontaine.

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11. März 2009, 09:152009-03-11 09:15:00 © sueddeutsche.de