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Vatikan:Päpstliche Weisung an deutsche Bischöfe

Dürfen Protestanten aus gemischt-konfessionellen Partnerschaften zur Kommunion? Diese Frage entzweite die Bischofskonferenz, der Papst sollte entscheiden. Er tat dies salomonisch.

Die Atmosphäre sei herzlich und brüderlich gewesen, hieß es nach dem Treffen am Donnerstagabend in Rom; offiziell tragen die Kardinäle und Bischöfe also auch ihren Streit in brüderlicher Atmosphäre aus, ob in Ausnahmen evangelische Christen aus evangelisch-katholischen Partnerschaften zur Kommunion zugelassen werden können. Mehr als zwei Drittel der Anwesenden hatten auf der Frühjahrsversammlung der katholischen Bischöfe in Ingolstadt einem entsprechenden Entwurf einer Handreichung zugestimmt. Doch sieben Bischöfe, angeführt vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, protestierten in Rom gegen den Beschluss: Eine so weitreichende Entscheidung könne die Bischofskonferenz gar nicht alleine treffen, argumentierten sie. Und da der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, offenbar auch einige Bedenken hegt, bat Papst Franziskus zur Debatte nach Rom.

Drei Stunden redeten die Autoren der Handreichung, die Kritiker und die Vatikanvertreter; angeführt wurden die Vertreter der Konfliktparteien von den Kardinälen Woelki und Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz. Von vatikanischer Seite nahmen neben dem Glaubenspräfekten und Dogmatiker Ladaria Kardinal Kurt Koch als Ökumene-Beauftragter des Papstes und der Kirchenrechtsexperte Markus Graulich teil. Dann erging der Spruch des Papstes, der an dem Treffen nicht teilnahm: Man habe über Glaube, Seelsorge, Weltkirche und Kirchenrecht geredet - nun bitte Franziskus, "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden", teilte der Vatikan mit.

Die Deutschen sollen sich also selbst einigen - das ist ein Erfolg für Kardinal Marx und liegt durchaus auf der Linie des Grundsatzes von Papst Franziskus: Wo immer das geht, sollen die Ortskirchen entscheiden. Nur: Das werden sie nun auch tun müssen. Und sich selbst zusammenraufen.

© SZ vom 05.05.2018

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