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Vatikan:Der Würsteldosen-Test

Die Frage ist weniger, ob Kardinal Müller eine schwarze Kasse hat, sondern, wie die Kurie mit dem Fund umgeht.

Von Matthias Drobinski

Eine Schublade der vatikanischen Glaubenskongregation hinter einer alten Würsteldose, und darin 20 000 Euro - da sind nun doch ein paar Fragen angebracht, vor allem, weil die bisherigen Antworten so dünn sind. Woher kam das Geld, wohin ging es? Gab es da eine schwarze Kasse für gute Werke oder doch die Selbstbedienungsschublade? Was wusste der Chef der Behörde, Kardinal Gerhard Ludwig Müller? 20 000 Euro, das klingt nicht nach dem ganz großen Skandal. Die Scheine lagen aber auch nicht irgendwo. Sie lagen im Zentrum jener Kirche, deren Papst Franziskus die Gier anprangert und transparente Vatikanfinanzen versprochen hat.

In dieser Situation passieren schnell Vorverurteilungen und Vorausfreisprüche. Doch es ist falsch, sofort Kardinal Müller für mitschuldig zu halten, nur weil es nicht der erste Konflikt ist, in dem er steckt, und überhaupt alle Kirchenleute so sind. Es ist aber genauso falsch, hinter allem die bösen Medien und Kirchenfeinde zu vermuten, die einem tapferen Glaubenszeugen ans Zeug flicken wollen.

Der Fund hinter der Würsteldose ist ein Test, wie ernst es der Vatikan damit meint, dass die Zeit der Heimlichtuerei vorbei ist. Geht es nur um ein paar Unregelmäßigkeiten, ist Transparenz gut, um Verschwörungstheorien zu beenden. Geht es um mehr, ist sie dringend nötig. Denn eine Kirche, die den Schein wahren will, wird krank. Sagt Papst Franziskus.

© SZ vom 10.12.2015
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