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Vatikan:Bestechungs­vorwürfe gegen Kardinal

Der Skandal um Kardinal Giovanni Angelo Becciu, den entlassenen Präfekten der Heiligsprechungskongregation, zieht neue überraschende Kreise: Nach einem Bericht der Zeitung Corriere della Sera prüfen die Behörden im Vatikan derzeit Bestechungsvorwürfe gegen Becciu. Demnach sollen von einem Konto des Vatikan 700 000 Euro auf ein Konto der apostolischen Nuntiatur in Australien überwiesen worden sein. Das Geld könnte dazu gedient haben, im Missbrauchsprozess gegen den australischen Kardinal und früheren vatikanischen Finanzchef George Pell Zeugen zu bestechen oder eine Kampagne gegen Pell zu befeuern, berichtete L'Espresso und berief sich auf Aussagen eines früheren Mitarbeiters Beccius. Der Hauptbelastungszeuge im Missbrauchsprozess gegen Pell bestritt jedoch über seine Anwältin Vivian Waller, jemals Geld erhalten zu haben. Pells Anwalt Robert Richter forderte indes, die Geldflüsse nachzuverfolgen. Becciu wies die Vorwürfe zurück. "Ich bestreite kategorisch jede Einmischung in den Prozess gegen Kardinal Pell", ließ er über seinen Anwalt ausrichten. Pell war 2014 von Papst Franziskus zum Leiter des Wirtschaftssekretariats ernannt und damit beauftragt worden, die undurchsichtigen Finanzen des Kirchenstaats zu entwirren. Dabei geriet Pell mit Becciu aneinander, seinerzeit Stabschef der vatikanischen Regierung. Kardinal Pell war im März 2019 wegen Missbrauchs zweier Chorknaben in Melbourne zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Im April diesen Jahres gab das höchste australische Gericht dem Berufungsantrag Pells jedoch statt und sprach ihn aus Mangel an Beweisen frei. Ende September kehrte er in den Vatikan zurück. Becciu war vor zwei Wochen überraschend von Franziskus entlassen worden. Becciu wird Vetternwirtschaft und Missmanagement vorgeworfen.

© SZ vom 07.10.2020 / zoc
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