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USA veröffentlichen Al-Qaida-Videos:Ein Bin Laden, den keiner kannte

Das Bild des toten Bin Laden will die US-Regierung nicht veröffentlichen, aber einige der in seinem Versteck sichergestellten Videos wurden jetzt freigegeben, ohne Ton. Ein Video zeigt einen alten und grauen Bin Laden, der selbstverliebt seine Propagandavideos betrachtet.

Nach dem Tod von Osama bin Laden entdeckte Videos belegen nach Meinung der US-Regierung, dass der Topterrorist bis zuletzt die Organisation Al-Qaida strategisch geführt hat - und Anschläge der Terrororganisation und ihrer verbündeten Gruppen im Jemen und in Somalia geplant und dirigiert hat. Die von der US-Regierung freigegebenen Aufnahmen, die am Samstag von mehreren US-Fernsehsendern ausgestrahlt wurden, seien bei dem Übergriff auf das Versteck Bin Ladens in Pakistan sichergestellt worden.

Eines der von der US-Regierung veröffentlichten Bin Laden-Videos zeigt den alt wirkenden und ergrauten Al-Qaida-Chef beim Betrachten seiner eigenen Propagandavideos.

(Foto: AFP)

Insgesamt wurden fünf bislang unbekannte Videos von den USA freigegeben. Zu sehen ist ein Bin Laden, wie ihn die Öffentlichkeit bislang nicht kannte: Einer der Filme zeigt den alt anmutenden Al-Qaida-Chef mit grauem Haar und Bart. Gebeugt sitzt er mit einer Decke über den Schultern und einer Strickkappe auf dem Kopf vor dem Fernseher. Mit einer Fernbedienung in der Hand betrachtet er seine eigenen Videoclips, während er gelegentlich nickend vor- und zurückwippt.

Seinen linken Arm setzt er nicht ein. Nach Meinung der Ermittler könnte dies darauf hindeuten, dass der Terrorchef bleibende Verletzungen einer Schusswunde davongetragen hatte. Bin Laden sitzt in einem kargen Raum mir kahlen Wänden. Sein altmodischer TV-Apparat ist mit einem Decoder verbunden. Unklar ist, ob der Raum zu Osamas Anwesen in Abbottabat gehört, wo ihn US-Spezialkräfte am vergangenen Sonntag überwältigten und töteten.

Medienwirksamer präsentiert sich Bin Laden in einer bislang unbekannten Videobotschaft an die USA, in der er nach Ermittlerinformationen gegen den Kapitalismus wettert. Das vermutlich zwischen Anfang Oktober und Anfang November vergangenen Jahres aufgenommene Material ist im Stil früherer Propaganda-Videos gedreht. Für die Aufnahmen hat sich der offensichtlich gesundheitlich angeschlagene Topterrorist Haare und Bart schwarz gefärbt. Er wirkt geschminkt.

Das Pentagon hatte eine Reihe ausgewählter US-Journalisten zu einem Briefing eingeladen, um tonlose Kopien der Filme auszugeben. Der Wortlaut der Botschaften soll geheim bleiben. Das Material gehört zu den über Hundert Audio- und Videodokumenten, die amerikanische Spezialkräfte am vergangenen Sonntag beim Sturm auf bin Ladens Anwesen in Abbottabad, nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, sichergestellt haben.

"Wichtigster Fund an Terror-Videos aller Zeiten"

Der Al-Qaida-Chef sei bis zu seinem Tod "aktiv" gewesen und habe seiner Terrorgruppe aus seinem Versteck in Abbottabad Anweisungen erteilt, sagte ein ranghoher US-Geheimdienstvertreter. Das dort beschlagnahmte Material sei der "wichtigste" Fund an Terror-Videos aller Zeiten. Noch nie zuvor, sei es gelungen, so viel Material eines Top-Terroristen zu beschlagnahmen. Die Videos gäben aber keinen Aufschluss über den Verbleib von Bin Ladens Stellvertreter und möglichem Nachfolger Ayman Al-Zawahri, hieß es.

Aus Ermittlerkreisen in Washington drang unterdessen an die Öffentlichkeit, dass ein privates Telefonat die Fahnder auf die Spur des Topterroristen geführt hat. Demnach erregte ein Handy-Gespräch von Bin Ladens Kurier mit einem alten Freund die Aufmerksamkeit des US-Geheimdienstes. Der Freund habe den Kurier, Abu Ahmed al-Kuwaiti, gefragt, wo er denn so lange gesteckt habe. Daraufhin habe der geantwortet: "Ich bin wieder bei den Leuten, bei denen ich früher war."

Als die Agenten dieses Gespräch mitgehört hätten, sei ihnen klar gewesen, dass sie auf eine heiße Spur geführt worden seien, so die Washington Post - ungeachtet der strengen Vorsichtsmaßnahmen des Bin Laden-Teams.

So habe es auf dem Gelände in Abbottabad, auf dem sich der Topterrorist versteckt hielt, weder eine Telefon-, noch Internet-, noch Fernsehleitung gegeben. Mitarbeiter des Al-Qaida-Chefs seien zum Telefonieren 90 Minuten weit weg gefahren. Erst dann hätten sie die Batterien in ihre Handys gelegt.

© AFP/dpa/dapd/olkl/afis

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