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Explosion in mehr als 150 Kilometern Höhe:Nordkoreas Raketentest gescheitert

Kurz nach dem Start explodiert der Träger des Beobachtungssatelliten "Heller Stern": Nordkoreas umstrittener Raketentest ist fehlgeschlagen. Experten rechnen als nächstes mit einem Atomtest Nordkoreas. Die G8-Staaten sind besorgt - und kündigen Konsequenzen an.

Nordkorea hat das Scheitern seines umstrittenen Raketenstarts eingeräumt. Der Beobachtungssatellit sei nach dem Start der Trägerrakete nicht wie geplant auf eine Erdumlaufbahn gebracht worden, berichteten die staatlichen Medien des sozialistischen Landes. Einzelheiten wurden nicht genannt.

"Wissenschaftler, Techniker und Experten" seien dabei, die Gründe für den Fehlschlag zu untersuchen, hieß es. Die nordkoreanische Rakete hob nach südkoreanischen Angaben am Freitagmorgen (Ortszeit) von einer Abschussrampe an der Westküste ab. Sie sei jedoch schon wenige Minuten nach dem Start in mehrere Teile zerbrochen und ins Gelbe Meer gestürzt.

Die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in Seoul, dass die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern explodiert sei. Trümmerteile seien etwa 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Gelbe Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab.

Südkorea, die USA und Japan verurteilten den Start als Provokation und Bedrohung der regionalen Sicherheit. Aus ihrer Sicht wollte Nordkorea unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts eine militärische Rakete von großer Reichweite testen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Die G-8-Außenminister, die sich zuvor in Washington getroffen hatten, erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie würden im UN-Sicherheitsrat "angemessene Maßnahmen" auf den Raketenstart treffen. Das Gremium soll um 16.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Dabei wird nach Diplomatenangaben zwar eine Verurteilung des Raketenstarts erwartet, nicht aber eine Verschärfung der Sanktionen.

Die USA kündigten zudem einen Stopp ihrer Nahrungsmittelhilfen an. Die provokativen Aktionen Nordkoreas verletzten internationales Recht, hieß es in einer in der Nacht verbreiteten Erklärung der US-Regierung. Auch wenn man aufgrund des aggressiven Verhaltensmusters der nordkoreanischen Regierung nicht überrascht sei, würde jede Raketen-Aktivität des Landes von der internationalen Gemeinschaft mit Sorge betrachtet.

Westerwelle fordert "deutliche Antwort" des Sicherheitsrats

Die US-Regierung warf Nordkorea vor, sich durch das Raketenprogramm nur weiter zu isolieren und Geld für Waffen und Propaganda-Inszenierungen auszugeben, während das Volk hungere.

Auch Russland kritisierte den nordkoreanischen Raketenstart als Verstoß gegen einen Beschluss des Weltsicherheitsrats. "Die Resolution des UN-Sicherheitsrats fordert von Nordkorea einen Verzicht auf den Start jeglicher ballistischer Raketen - sowohl ziviler, als auch militärischer", teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die Entscheidung Nordkoreas rufe eine "tiefe Besorgnis" hervor. Mit dem Start habe Nordkorea weitere Gespräche mit der internationalen Gemeinschaft über sein Atomprogramm "deutlich erschwert".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einer "flagranten Verletzung internationaler Verpflichtungen" durch die nordkoreanische Regierung. Der Raketenstart gefährde die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel, sagte er bei einem Besuch in New York. Der UN-Sicherheitsrat müsse eine "deutliche Antwort" auf diese Verletzung des Völkerrechts geben.

Der Sicherheitsrat hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In Resolutionen des Rats wird Nordkorea aufgerufen, jegliche Raketenstarts "unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie" zu unterlassen.

Nordkorea war 2009 nach internationaler Kritik an einem Raketenstart aus den Mehrparteiengesprächen über sein Atomprogramm ausgestiegen. Wenige Monate später hatte das Land einen zweiten Kernwaffentest unternommen. Chinesische Experten rechnen auch nach dem jetzt gescheiterten Raketenprojekt als nächstes mit einem Atomtest Nordkoreas. Der stalinistische Staat verfolge das "klare Ziel", eine Atommacht werden zu wollen, sagte der Professor für strategische Forschung an der Parteihochschule in Peking, Zhang Liangui.

Nordkorea wollte nach eigenen Angaben mit dem Start des Satelliten Kwangmyongsong-3 ("Heller Stern") den 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten früheren Präsidenten Kim Il Sung am 15. April begehen. In der Erdumlaufbahn sollte der Satellit zwei Jahre lang unter anderem zur Wälder- und Wetterbeobachtung genutzt werden.