Ukraine Saakaschwili tritt als Gouverneur zurück

Der Ex-Präsident von Georgien sollte im Auftrag von Petro Poroschenko die Korruption in Odessa bekämpfen. Jetzt geht er - und greift Kiews Staatschef an.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Michail Saakaschwili hat so hingeschmissen, wie er sein Amt geführt hat: mit Karacho. Vor anderthalb Jahren war der ehemalige georgische Präsident vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zum Gouverneur von Odessa ernannt worden - ein kluger Schachzug, wie es damals zu sein schien: Reformer Poroschenko, der nach dem Maidan eine neue Ukraine bauen sollte, schickte Reformer Saakaschwili, der kurz zuvor die ukrainische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, zum Aufräumer in die von Korruption und Mafiastrukturen zerfressene Region am Schwarzen Meer. Am Montag hat Saakaschwili seinen Rücktritt erklärt; er werde noch die Geschäfte führen, bis der Präsident sein Entlassungsgesuch unterschrieben habe, ließ er wissen - nicht ohne den Grund für seinen Rückzug laut und deutlich zu buchstabieren: Poroschenko.

Der habe, allen Versprechen zum Trotz, die Korruption in Odessa gedeckt und nichts dafür getan, seinen Ex-Berater Saakaschwili zu unterstützen. Der neue Präsident in Kiew, so der scheidende Gouverneur vor seinem Amtssitz in Odessa, sei auch nicht besser als der alte, als Viktor Janukowitsch. Poroschenko ließ wissen, er werde das Gesuch gern unterschreiben - und sich zu gegebener Zeit mit den Vorwürfen auseinandersetzen.

Saakaschwili, gegen den in seiner Heimat Georgien ein Haftbefehl wegen Amtsmissbrauchs vorliegt, hatte den Job in der Südukraine mit viel Energie übernommen, er feuerte einen Teil der Polizeikräfte und der Zollbeamten, bildete Steuerbehörde und Staatsanwaltschaft um. Aber viele seiner Reformansätze blieben Papiertiger; das rüde Auftreten des Egomanen, der für seine notorische Unzuverlässigkeit bekannt ist, verschreckte viele Anhänger. Der Guardian schreibt, Poroschenko habe Saakaschwili in den Sumpf von Odessa geworfen wie "eine Handgranate", in der Hoffnung, er werde die Gegner der neuen Regierung eliminieren und eine Erfolgsstory im Kampf gegen die Korruption schreiben. Dass die Handgranate nicht explodierte, um im Bild zu bleiben, schreibt Saakschwili der mangelnden Unterstützung aus Kiew zu. Er war eine Zeit lang als Herausforderer von Poroschenko und damit als Präsidentschaftskandidat gehandelt worden. Nun will der Ex-Georgier erst einmal die in Gründung befindliche Partei "Chwilja" zum Erfolg führen. Laut Ukrainskaja Prada wird dort ein "Driver", ein Anführer gesucht.