Ukraine-Krieg:Noch immer keine Feuerpause

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Ukraine-Krieg: Noch sind die russischen Streitkräfte nicht in die ukrainische Hauptstadt vorgedrungen. Doch die Bewohner können Kiew nicht sicher verlassen.

Noch sind die russischen Streitkräfte nicht in die ukrainische Hauptstadt vorgedrungen. Doch die Bewohner können Kiew nicht sicher verlassen.

(Foto: Gleb Garanich/Reuters)

Trotz der Ankündigung, Fluchtkorridore aus Großstädten zu ermöglichen, gehen die russischen Bombardements weiter.

Von Stefan Braun, München

Während sich auch am Montag die russischen Angriffe auf ukrainische Städte fortgesetzt haben, unternehmen Diplomaten einen neuen Versuch, Russland und die Ukraine unter internationaler Beteiligung an einen Tisch zu bringen. Auf Vermittlung des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoğlu vereinbarten Moskau und Kiew, am Donnerstag ihre Außenminister für ein Treffen ins türkische Antalya zu entsenden.

Ein Treffen von Vertretern beider Länder in Belarus nahe der ukrainischen Grenze endete am Montagabend ohne greifbare Ergebnisse. Die Verhandlungen sollen fortgesetzt werden. Zuvor war die Ankündigung des russischen Verteidigungsministeriums, es werde am Vormittag eine Feuerpause geben, ins Leere gelaufen. Obwohl es entsprechende Planungen für Kiew, Charkiw und Mariupol gegeben hatte, um Passagen für den Abzug von Zivilisten möglich zu machen, gingen die russischen Bombardements und Kämpfe weiter. Später warf Moskau der Ukraine vor, die Bedingungen nicht erfüllt zu haben.

Die russische Seite möchte vor allem, dass die Menschen die Kampfzonen verlassen, was ihr anschließend die Eroberung leichter macht; die ukrainische Seite dagegen möchte die eingeschlossenen Menschen mit den wichtigsten Hilfsgütern versorgen, ohne die Städte preiszugeben. Außerdem sollen die Menschen zum Beispiel aus Kiew nach Vorstellung Moskaus Richtung Belarus fliehen, also in den Nordosten. Die überwältigende Mehrheit der bislang rund 1,7 Millionen Menschen auf der Flucht bewegt sich aber Richtung Westen.

In Deutschland wurden nach offiziellen Angaben bisher 50 294 Flüchtlinge registriert. Nach UN-Angaben sind bislang mindestens 350 Zivilisten bei den Kämpfen gestorben, Hunderte wurden verletzt. Die Ukraine meldete, bislang seien etwa 11 000 russische Soldaten getötet sowie 88 russische Flugzeuge und Hubschrauber abgeschossen worden. Über eigene Verluste wurden keine Angaben gemacht.

Unterdessen einigten sich Vertreter der 27 EU-Länder am Montag darauf, dass die Europäische Kommission eine Einschätzung zum möglichen EU-Beitritt von Ukraine, Moldau und Georgien abgeben soll. Die drei Länder hatten in der vergangenen Woche entsprechende Anträge eingereicht. Mit der Weiterleitung an die Kommission erfolgt ein erster Schritt auf dem Weg zu offiziellen Beitrittsverhandlungen. Nach Angaben eines EU-Vertreters dauert eine solche Einschätzung in der Regel ein bis anderthalb Jahre. Der Chef des Europäischen Rats, Charles Michel, sagte, der Beitrittsantrag könnte Thema bei einem zweitägigen informellen EU-Gipfel sein, der am Donnerstag in Versailles in Frankreich beginnt.

In den diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Kriegs in der Ukraine suchen Deutschland und Frankreich den Austausch mit China. Dazu ist ein Gespräch zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am Dienstag geplant, wie Macron am Montagabend ankündigte. China gilt als strategischer Partner Moskaus. Am Montag sagte Außenminister Wang Yi, das Verhältnis der beiden Länder gehöre "zu den wichtisten bilateralen Beziehungen in der Welt."

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