Ukraine Friedensmarsch provoziert Konflikt

Ein von Mönchen des Moskauer Patriarchats angeführter Pilgerzug durch die Ukraine prallt auf Kiewer Nationalisten. Die vermuten hinter der Wallfahrt weniger religiöse Gründe, denn eine politische Aktion des Kremls.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Am Rande einer als "Friedensmarsch" bezeichneten Prozession der ukrainisch-orthodoxen Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, sind kurz vor dem Einzug in die Hauptstadt Kiew Granaten und Munition entlang der geplanten Route gefunden worden. Das teilte ein Berater des Innenministers mit. Der Marsch wurde daraufhin gestoppt. Innenminister Arsenij Awakow bot der von Mönchen angeführten und aus einigen Hundert Menschen bestehenden Gruppe an, sie mit Bussen in die Stadt zu fahren.

Schon in den vergangenen Tagen hatte es Proteste und Ausschreitungen gegen den Marsch gegeben. Der Stadtrat von Borispil, das durch den internationalen Kiewer Flughafen bekannt ist, verbot den orthodoxen Pilgern unter Verweis auf Sicherheitsbedenken den Einzug in die Stadt. Nationalgarde und Polizei sicherten die Route gegen demonstrierende Nationalisten.

Ukrainer werfen den Pilgern vor, eine "künstliche politische Krise" aufwerfen zu wollen

Die Pilger, die vor zwei Wochen im ostukrainischen Swjatogorsk aufgebrochen waren, wollen sich an diesem Mittwoch auf dem Wladimirhügel in Kiew mit einem zweiten Zug vereinigen, der im westukrainischen Ternopil gestartet war. Danach wollten die Gläubigen des "allukrainischen Kreuzzugs für Frieden, Liebe und Gebete für die Ukraine" zum berühmten Höhlenkloster ziehen und eine liturgische Feier abhalten. Insgesamt werden etwa 20 000 Menschen erwartet.

Ukrainische Behörden sehen in dem Marsch, der vom Moskauer Patriarchat initiiert wurde, einen Versuch, Unruhe zu stiften. Parlamentssprecher Andrij Parubij warf dem russischen Geheimdienst FSB die Urheberschaft vor; mit dem Zug sollten Zusammenstöße verursacht und eine "künstliche politische Krise" hervorgerufen werden. Laut Medienberichten hat der Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU davor gewarnt, dass Moskau auf eine Eskalation der Lage setze, um dann reklamieren zu können, die Ukraine beeinträchtige die Rechte orthodoxer Gläubiger.

Daher war die Stimmung rund um den "Friedensmarsch" schon von Beginn an aufgeheizt. Dem orthodoxen Glauben rechnen sich 76 Prozent der Ukrainer zu, allerdings ist die Kirche gespalten. Das Moskauer Patriarchat vertrat früher die größere Gruppe der Gläubigen, seit dem Krieg gegen die von Russland gestützten Separatisten bekam das Kiewer Patriarchat jedoch starken Zulauf und ist nun dabei, das verfeindete Moskauer Lager zu überholen. Das Kiewer Patriarchat gründete sich nach der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1992, wird jedoch von anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt. Sein Erzbischof Sorja sagte, er befürchte, dass Moskau unter dem Deckmantel einer religiösen Prozession den Anschein erwecken wolle, in der Ukraine gebe es eine breite Unterstützung für die russische Position. Demonstranten des "Rechten Sektors" bezeichnen das Moskauer Patriarchat als "Fünfte Kolonne des Kreml". Innenminister Awakow warnte vor einer weiteren Aufheizung der Lage. Er forderte alle radikalen Kräfte auf, friedlich zu bleiben. Der Staat habe genug Kraft, um Provokationen zu begegnen - sei es aus Moskau oder vom Rechten Sektor.