Türkei:Erdoğans Buchstaben-Reförmchen

Lesezeit: 2 min

-

Will seinen Kritikern entgegenkommen: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan.

(Foto: AFP)

Q, X und W sind in der Türkei bisher tabu, weil sie zum kurdischen Alphabet gehören: Jetzt will der türkische Ministerpräsident Erdoğan die Benutzung der Buchstaben wieder erlauben. Für ihn ist es mehr als nur ein symbolischer Schritt.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan ist in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten: Im Juni gab es wochenlange Massenproteste, die vordergründig die Überbauung des Gezi-Parks in Istanbul zum Anlass hatten, sich in Wirklichkeit aber gegen Erdoğan und seinen autoritären Führungsstil richteten.

Mit einer Twitter- und Facebook-Offensive versucht der Ministerpräsident, seine Kritiker zu besänftigen und die Kommunikation über seine von der religiös-konservativen AKP-Partei gestellte Regierung stärker zu steuern.

Um sich in der Öffentlichkeit positiver darzustellen, bemüht Erdoğan sich seit einigen Monaten auch verstärkt um eine Beiliegung des Kurden-Konfliktes. Mit der Kurdenpartei PKK ist ein Friedensprozess im Gange, der durch den Syrien-Krieg allerdings ins Stocken geraten ist, weil die PKK-Kämpfer nicht wie verabredet aus der Türkei abziehen. Im Gegenzug verlangen die PKK und kurdische Politiker von der Regierung in Ankara konkrete Reformschritte, um die Lage der zwölf Millionen Kurden in der Türkei zu verbessern.

Um den Friedensprozess wiederzubeleben, setzt Erdoğan jetzt auf einen neuen symbolischen Schritt, der den Kurden entgegenkommen soll: In der Türkei soll nämlich ein Verbot bei der Benutzung der kurdischen Sprache fallen. Die Verwendung der Buchstaben Q, X und W solle offiziell erlaubt werden, berichteten mehrere türkische Zeitungen.

Erdogan will seine Reforman am Montag vorstellen

Die Buchstaben sind Teil des kurdischen Alphabets, aber nicht des türkischen und waren deshalb seit 1928 offiziell tabu. Ihre Benutzung wurde auch strafrechtlich verfolgt. Die Legalisierung ist den Berichten zufolge Teil eines umfassenden Reformpakets, das Erdoğan am kommenden Montag vorstellen will.

Nach Presseberichten sieht Erdoğans Plan auch die Wiedereinführung kurdischer Ortsnamen vor. Zudem sollen Lokalverwaltungen im Kurdengebiet ihre Dienstleistungen künftig auch in kurdischer Sprache anbieten können. Einige Forderungen der Kurden, wie die nach einem kurdischen Erstsprachenunterricht in staatlichen Grundschulen, will Erdogan aber nicht erfüllen.

Nach Angaben Erdogans enthält das Paket mit etwa 40 Einzelmaßnahmen einige Überraschungen. Nach Presseberichten soll auch die Lage anderer Minderheiten verbessert werden. So wird die Wiedereröffnung einer seit mehr als 40 Jahren geschlossenen Priesterschule der griechisch-orthodoxen Kirche erwartet. Zudem sollen Schüler der nicht-muslimischen Minderheiten von dem bisher obligatorischen Eid befreit werden, der unter anderem die Formel "Glücklich ist, wer sagen kann, er sei Türke" enthält.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB