Tel Aviv unter Beschuss – Tel Aviv unter Beschuss

Niv Rafaeli, 31, Start-Up-Gründer

Sirenen sind für mich ziemlich normal. Ich kenne sie als Kind aus dem Golfkrieg, ich kenne sie aus meiner Zeit bei der Armee. In Tel Aviv ist das natürlich anders, da hat es lange keinen Alarm mehr gegeben. Die Menschen in der Stadt sitzen trotzdem noch draußen in den Cafés und Restaurants, das Leben geht weiter. Es ist zwar nicht so, als wäre nichts geschehen, von einer Atmosphäre der Angst zu reden, ist aber völlig übertrieben.

Meine Freundin ist zur Zeit in Spanien. Als Ausländerin ist das eigentlich nicht ihr Konflikt: Ich könnte verstehen, wenn sie dort bleibt. Doch sie will herkommen. Ich finde es schrecklich, wie tief die Gräben zwischen uns und den Palästinensern sind. Ich habe noch nie mit einem Palästinenser gesprochen, noch nie. Dabei würde ich das gern. Ich glaube, die normalen Menschen in Palästina und Israel könnten sich schon zusammenfinden - wenn es nur die Radikalen auf beiden Seiten nicht gäbe. Die schauen immer nur auf kurzfristige Erfolge und militärische Siege. Langfristig bringt uns das gar nichts, außer Bomben und Krieg.

Bild: Privat 19. November 2012, 14:282012-11-19 14:28:05 © Süddeutsche.de