bedeckt München
vgwortpixel

SZ-Serie: Der Weg nach Berlin:Ihr Revier

Eine, die gerne für die SPD ins Rennen geht: Sabine Poschmann.

(Foto: Grafilu)

Der Vater war in der SPD aktiv, die Mutter begleitet die Kandidatin und der Sohn hat ein rotes SPD-Shirt an. Stolze Sozialdemokraten - sowas gibt es noch. Eine von ihnen ist Sabine Poschmann, die in Dortmund für den Bundestag kandidiert. In der Fußgängerzone der Stadt redet sie gegen Handys, Reibekuchen und Borussia-Fachsimpeleien an.

Politiker "sind doch alle gleich", lautet das Pauschalurteil vieler Deutscher. Sind sie nicht. Die Süddeutsche Zeitung begleitet bis zur Bundestagswahl 2013 sieben Menschen aus sieben Parteien auf ihrem Weg in die Politik - Fehler, Rückschläge und Niederlagen inklusive.

Man kann es natürlich auch einfach mal so sehen, man kann diese ganzen schlechten Umfragen und Diskussionen um den Kandidaten mal weglassen und sagen, ach komm, es ist gar kein so schlechter Zeitpunkt, Sozialdemokrat zu sein. Wenn man das mal ganz historisch betrachtet, und es ist ja ein historischer Moment, hier in Dortmund, Samstagnachmittag, bei Brause und Currywurst: 150 Jahre SPD, 145 Jahre Sozialdemokratie in Dortmund, Feierstunde in der Fußgängerzone.

"Früher wurden wir gefoltert und umgebracht, in Lager gesteckt", sagt Sigmar Gabriel auf der Bühne. Heute wird man nur gefragt, ob der Kandidat der Richtige ist, ob also Peer Steinbrück Kanzler kann.

Ach, sagt Sabine Poschmann, die hier in Dortmund für den Bundestag kandidiert, im größten Unterbezirk der Welt, in der einzigen deutschen Großstadt, in der die SPD seit dem Krieg ununterbrochen den Oberbürgermeister stellt, in dieser stolzen Stadt erzählt Poschmann also eine ganz andere Geschichte des Kandidaten als die, die man dieser Tage sonst so liest, von diesem womöglich so verzagten Mann.

Vor ein paar Wochen, sagt Poschmann, sei sie mit Steinbrück in die Westfalenhalle gegangen, zur Übertragung des Champions-League-Finales. Und da habe sie einen Kandidaten gesehen, der den Menschen zugewandt gewesen sei, der nicht in Wembley auf der Ehrentribüne saß, sondern im Revier. Schwarz-Gelb hat verloren, so soll es nun auch bei der Bundestagswahl sein. Das ist der Witz dieser Tage im Pott.

Kümmer-Sabine statt Tunnel-Ulla

Jetzt hier in Dortmund steht Ulla Burchardt auf der Bühne, die mutmaßliche Vorgängerin im Bundestagswahlkreis von Sabine Poschmann, sie hört nach 23 Jahren auf. "Tunnel-Ulla", nennt man sie hier, weil sie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die B236n einen Tunnel bekommen hat. Das sind also die Perspektiven, wenn man nach Berlin geht, das Bohren dicker Tunnel - so kann man es sehen.

Wenn man Sabine Poschmann fragt, wie sie denn gerne genannt werden würde, nach ein paar Jahren, sagt sie, sie wolle sich nicht zu sehr verändern, möchte nah bei den Menschen bleiben: Kümmer-Sabine also vielleicht. Auch wenn das etwas tantiger klingt, als es die Kandidatin ist.

Sie macht das schon sehr gut, sie kommt auf die Bühne, die jetzt nicht die einfachste ist, auf der man selbst in der sozialdemokratischen Herzkammer gegen Handys, Reibekuchen und den Saison-Ausblick der Borussia anredet. Aber es klappt ganz gut, es entsteht ein Gefühl, dass da jemand gerne für die SPD ins Rennen geht.

Neben ihr steht ihr Sohn Tom auf der Bühne, sieben Jahre alt. Sabine Poschmann hat sich davor überlegt, wie sie das machen will, wie sehr ihre Familie auch auf der Bühne der Kandidatur stehen soll.

"Ich möchte sie nicht ausstellen", sagt Poschmann. Ausgeschlossen sollen sie sich aber auch nicht fühlen. Es ist ja in gewisser Weise ein sozialdemokratischer Familienbetrieb, diese Poschmanns in Dortmund. Der Vater war sehr aktiv, die Mutter steht auch am Stand der Kandidatin, und der Sohn hat ein rotes SPD-Polo-Shirt an. Stolze Sozialdemokraten. So etwas gibt es noch.