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Südkorea:Majestät ohne Untertanen

Ban Ki-moon wollte eigentlich Präsident Südkoreas werden. Nun hat er den Vorwahlkampf entnervt aufgegeben. Eine Fortsetzung sei "sinnlos".

Der abgetretene UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wollte Südkorea retten, aber die Südkoreaner wollen ihn als Retter nicht. In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz überrumpelte der 72-Jährige am Mittwoch sogar sein eigenes Team und gab bekannt, er stelle seinen Vorwahlkampf um die Präsidentschaft Südkoreas ein. "Ich wollte dem tief gespaltenen Land die Einheit zurückgeben", sagte er beleidigt, "aber die Politiker hier sind sehr egoistisch, ihr Denken steckt in der Vergangenheit fest." Es sei deshalb "sinnlos, dass ich meinen Weg fortsetze".

Vor drei Wochen hatte Ban seine Rückkehr nach Seoul nach zehn Jahren an der UN-Spitze als Heimkehr seiner Majestät inszeniert, der sich nun für Südkorea aufopfern wollte. "Ich bin bereit, alles für mein Land zu geben", sagte er noch am Flughafen. Am nächsten Morgen begab sich der große Sohn, der in seiner Heimatprovinz mit Statuen und einem Museum verehrt wird, auf den Nationalfriedhof, um den früheren Präsidenten seine Aufwartung zu machen. Seither reiste er als Wahlkämpfer durchs Land. Oder als Messias. In einem Pflegeheim löffelte er für die Kameras einer Greisin Reisbrei ein, auf einer Farm bekämpfte er die Vogelgrippe im Schutzanzug. Aber "mein ernsthafter Patriotismus wurde beschmutzt durch falsche Nachrichten und Gerüchte, die einem Rufmord gleichkommen".

Ban hatte Schwierigkeiten, eine Partei zu finden, die ihn zu ihrem Kandidaten gemacht hätte. Von Haus aus ein Konservativer, aber einst Außenminister des liberalen Präsidenten Roh Moo-hyun, hoffte er, Anhänger aus beiden politischen Lagern hinter sich zu scharen. Für die konservative Saenuri-Partei, die sich um ihn bemühte, wollte er nicht antreten. Nach dem Skandal um deren suspendierte Präsidentin Park Geun-hye hätte auch er als Kandidat von Saenuri keine Chance gehabt. Die anderen Parteien zeigten ihm die kalte Schulter. Trotz fast pausenloser Bildschirmpräsenz stagnierten seine Umfragewerte. Hinter dem Kandidaten der Liberalen, Moon Jae-in, lag er abgeschlagen an zweiter Stelle, der Abstand wuchs. Der Karriere-Diplomat erwies sich als politischer Anfänger.

In Südkorea versuchen ein Sonderstaatsanwalt, eine Parlamentskommission und das Verfassungsgericht, die Verfilzung zwischen der Präsidentin, ihrem Stab und großen Konzernen aufzuklären. Ban vermied es, die Betroffenen direkt anzugreifen. Doch die meisten Südkoreaner, die auf den definitiven Rausschmiss von Präsidentin Park warten, wollen nichts von einem Versöhner hören, dessen diplomatische Karriere unter Parks Vater, Südkoreas korruptem Militärdiktator, begann.

Zusätzlich geschadet hat Ban, dass sein Bruder und sein Neffe in New York wegen Korruption angeklagt wurden, die Staatsanwaltschaft Manhattan verlangt von Seoul die Auslieferung des Bruders. "Ich habe mich entschieden, meinen Traum aufzugeben, die Politik zu verändern und dem Land die Einigkeit zurückzugeben", sagte Ban. Mit einem Monat Verspätung geht der ehemalige UN-Generalsekretär nun in den Ruhestand.