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Südamerika:Konservativer Kandidat Piñera gewinnt Präsidentschaftswahl in Chile

Wahl in Chile

Wahlgewinner Sebastián Piñera mit seiner Frau Cecilia Morel.

(Foto: dpa)
  • Der konservative Sebastián Piñera kehrt in Chile ins Präsidentenamt zurück. Der Unternehmer war bereits von 2010 bis 2014 Präsident.
  • In einer Stichwahl setzte er sich gegen den Mitte-Links-Kandidaten Alejandro Guillier durch.
  • Piñera wird Nachfolger der Sozialistin Michelle Bachelet.

Der konservative Unternehmer Sebastián Piñera wird in Chile die Nachfolge der sozialistischen Staatspräsidentin Michelle Bachelet antreten. Der Kandidat der Oppositions-Koalition kam nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen auf 54,6 Prozent, der Mitte-Links-Kandidat Alejandro Guillier auf 45,4 Prozent. Guillier erkannte seine Niederlage am Sonntagabend (Ortszeit) an und gratulierte Piñera zum Wahlsieg.

Wahlberechtigt waren 14,3 Millionen Chilenen. Die Wahlbeteiligung lag knapp unter 50 Prozent. Piñera hatte die erste Wahlrunde am 19. November mit 37 Prozent der Stimmen gegen 23 Prozent für den Journalisten und Soziologen Guillier für sich entschieden.

Vor acht Jahren hatte er schon einmal das Präsidentenamt von Bachelet übernommen, als erster konservativer Staatschef nach dem Abgang der Militärs. Am Ende seiner Amtszeit 2014 galt er als eher unbeliebt.

Piñera hat Bachelet für Montag zum Frühstück eingeladen

Der Unternehmer ist einer der reichsten Menschen in Chile. Er gehörte schon immer dem gemäßigteren Flügel des rechten Lagers an, der es vermied, mit dem Erbe der Pinochet-Diktatur direkt belastet zu werden.

Piñeras Wahlsieg setzt den Rechtsruck in Südamerika fort. Argentiniens Staatschef Mauricio Macri hatte bereits für diplomatische Aufruhr gesorgt, als er in einer Videobotschaft zwei Tage vor der chilenischen Stichwahl vom Sonntag seinem "alten Freund" Piñera Unterstützung zusagte. Und die brasilianische Regierung Michel Temers war eine der ersten, die nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses dem neu gewählten Präsidenten Chiles gratulierte und sich zu einer engeren Zusammenarbeit bereit erklärte.

Der Regierungswechsel in Chile ist dennoch nicht mit den konfrontativen Machtwechseln in Brasilien und Argentinien gleichzustellen. Piñera lud am Sonntagabend in einem freundlichen Telefonat die abgehende Präsidentin Michelle Bachelet ein, am Montag bei einem gemeinsamen Frühstück die Probleme Chiles zu besprechen.

Er hatte bereits auf ihr Reformprogramm eingelenkt, nachdem er die erste Wahlrunde mit weit weniger Stimmen als erwartet gewonnen hatte. Er werde das von ihr durchgesetzte gebührenfreie Universitätsstudium auf weitere Bildungsbereiche erweitern. Und auch das stark kritisierte private Pensionssystem, das zu Zeiten Pinochets eingeführt wurde, müsse überdacht werden."Es bleiben noch viele Kumpel, die wir von der Armut retten müssen", sagte Piñera vor seinen Anhängern am Sonntagabend.

Der Amtsantritt des neuen Staatschefs in dem südamerikanischen Land ist für den 11. März 2018 vorgesehen.

© SZ.de/dpa/AP/AFP/jael/jsa

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