Südafrika Held der Armen mit zwei Gesichtern

Jacob Zuma wird vermutlich Südafrikas neuer Präsident. In den Townships ist der volksnahe Politiker beliebt. Kritiker verweisen auf Korruption und eine Sex-Skandal.

Von Arne Perras

Die Urteile über Jacob Zuma, der vermutlich Südafrikas neuer Präsident wird, fallen sehr unterschiedlich aus. Der Volkstribun polarisiert, und das ist in einem Land, in dem ethnische und soziale Spannungen wachsen, Grund zur Besorgnis.

Zwielichtiger Volksheld: Jacob Zuma

(Foto: Foto: AFP)

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die Zuma nun auf den Schild der Präsidentschaft heben wollen: die Jugend des ANC, die Gewerkschaften und die Kommunisten. Sie sehen einen Heilsbringer in ihm, der es schaffen kann, die armen Massen in Südafrika durch eine linke Politik der Umverteilung am Reichtum des Landes teilhaben zu lassen.

Weniger erwarten sie nicht von Zuma, und dies dürfte auch die größte Herausforderung seiner Amtszeit sein, wenn er die Wahl im April 2009 gewinnt. Dann werden seine Anhänger, die ihn durch die Ränge des ANC nach oben geschoben haben, ihren Preis einfordern. Zuma muss sie mit Posten belohnen, und er muss Korrekturen bei der Armutsbekämpfung vornehmen, will er die hohen Erwartungen in den Townships und Slums nicht gleich am Anfang enttäuschen.

Duschen gegen HIV

Wie er dies schaffen will, ist unklar. Er werde den Kurs des ANC nicht grundlegend ändern, versichert er, nur dessen Arbeit verbessern. Es ist zweifelhaft, dass dies der Linken im ANC reicht.

Auf der anderen Seite stehen Zumas Kritiker im In- und Ausland, die eine populistische Wirtschaftspolitik befürchten und sich um die ökonomische Stabilität sorgen. Hinzu kommen Bedenken, ob der Mann auch integer und verantwortungsbewusst genug ist, einen Staat zu führen. In Erinnerung ist noch der Vergewaltigungsprozess gegen Zuma, in dem er zwar freigesprochen wurde, aber peinliche Details bekannt wurden.

Zuma gab zu, ohne Schutz mit einer Frau geschlafen zu haben, obwohl diese offenbar mit HIV infiziert war. Dass er damals die nationale Aids-Kommission führte, machte alles noch schlimmer. Und schließlich erzählte er davon, wie er nach dem Geschlechtsverkehr warm geduscht habe, um einer Ansteckung zu entgehen.

Außerdem steht Zuma weiterhin unter Verdacht, in einen Bestechungsskandal im Zuge von Waffenkäufen verwickelt zu sein. Sein früherer Finanzberater Schabir Schaik ist bereits wegen Betrugs und Korruption verurteilt. Zuma wurde deswegen als Vizepräsident im Jahr 2005 von Mbeki gefeuert.

Seither hat Zuma die Justiz im Nacken, aber verurteilt wurde er bislang nicht. Der Verdacht kratzt weiterhin an Zumas Ruf, auch wenn diese Zweifel einen Sieg des ANC-Kandidaten Zuma bei den Präsidentschaftswahlen 2009 wohl kaum verhindern dürften.

Die Sprache der Armen

Zuma gehört zur alten Riege der Befreiungskämpfer, wie Mandela war er auf Robben Island inhaftiert, ein Jahrzehnt hielten ihn die Führer der Apartheid gefangen. Das hat sein Ansehen im freien Südafrika befördert. Geboren wurde er 1942 in Zululand, er wuchs ohne Vater auf und hat sich alles, was er weiß, selbst beigebracht.

Mit 17 schloss er sich dem Kampf des militärischen ANC-Flügels an. Heute ist er stolz darauf, mehrere Frauen zu haben und immer weitere zu heiraten. Seine polygame Lebensweise trägt er offen zur Schau, für seine Anhänger eher ein Zeichen der Stärke.

Seine Anhänger schätzen an Zuma seine zupackende Art, stets habe er ein Ohr für die Nöte und Sorgen der Armen, hört man in den Townships. Und anders als Mbeki spreche er auch deren Sprache. Zumas Aufstieg lässt sich also kaum trennen von den Schwächen Mbekis. Dessen Versäumnisse haben es erst möglich gemacht, dass ein Volkstribun wie Zuma nach oben klettern konnte.

Nelson Mandela, der 90-jährige Vater der Nation, sagt zu Zuma und den Querelen um sein Erbe nichts. Er widmet sich vor allem seiner Familie.