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Streit um Grenzabfertigungen:Gibraltar wirft Spanien "Folter" vor

Ernsthaft besorgt: der britische Außenminister William Hague

(Foto: AFP)

Stundenlange Wartezeiten an der Grenze: Bei fast 30 Grad Hitze soll Spanien "praktisch jedes" Fahrzeug aus Gibraltar kontrolliert haben. Die Regierung des britischen Gebietes ist empört. Den ungewöhnlichen Verzögerungen war ein Streit um ein künstliches Riff vorausgegangen.

Seit 300 Jahren gehört Gibraltar mittlerweile zu Großbritannien. Doch der Streit um das an der Südspitze der Iberischen Halbinsel gelegene Territorium kocht immer wieder hoch. Am Wochenende sorgte Spanien jetzt mit äußerst genauen Kontrollen beim Grenzverkehr für neue Verstimmungen.

Die Regierung in Gibraltar warf Spanien vor, absichtlich enorme Verspätungen beim grenzüberschreitenden Verkehr verusacht zu haben. Tausende Fahrzeuge, die Gibraltar verlassen wollten, hätten seit Freitag bis zu sechs Stunden warten müssen, um die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien zu überqueren, teilte die Regierung des britischen Überseegebiets mit. Die spanischen Grenzbeamten hätten "praktisch jedes Fahrzeug" kontrolliert.

Die Regierung Gibraltars warf Spanien in diesem Zusammenhang "Folter" vor. "Die spanische Regierung hat diese unnötigen Verspätungen alten Menschen, Kindern und Kranken bei einer Hitze von bis zu 30 Grad Celsius zugemutet", hieß es in dem Statement weiter. Um die Folgen des spanischen Verhaltens abzumildern, hätte Gibraltar eigens eine Notfallambulanz zur Verfügung gestellt, um Geschwächte medizinisch zu versorgen. Außerdem habe man die Verteilung von Wasserflaschen organisiert.

Am Sonntag schaltete sich auch der britische Außenminister William Hague in den Konflikt ein. In einem Telefongespräch mit dem spanischen Außenminister José García Margallo äußerte er "ernste Sorgen" über die von Spanien verursachten Verspätungen. Einem Sprecher zufolge hatte Hague zunächst auf diplomatischen Kanälen versucht, die britischen Bedenken zu übermitteln.

Umstrittenes Betonriff

Dem Aufruhr um den Grenzverkehr vorangegangen waren in dieser Woche Unstimmigkeiten über den Bau eines künstlichen Riffs in den Küstengewässern vor Gibraltar. Ein von Gibraltar beauftragter Unternehmer hatte am Mittwoch und Donnerstag Betonblöcke im Meer um Gibraltar platziert.

Daraufhin sollen Schiffe der spanischen Guardia Civil unrechtmäßig in die britischen Hoheitsgewässer vorgedrungen sein und versucht haben, "die Aktivitäten zu unterbrechen", wie London Madrid vorwarf.

Gibraltars Ministerpräsident Fabian Picardo sagte, er habe "absolut keine Zweifel", dass die Grenzverzögerungen mit dem Streit um den Bau des künstlichen Riffs zu tun hätten. Die spanische Regierung äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Gibraltar gehört seit 1713 zu Großbritannien, doch Spanien möchte das britische Überseegebiet an seinem Südzipfel zurückbekommen. Es weigert sich, die britische Souveränität über die Gewässer um Gibraltar anzuerkennen.