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"Smart Gardening":Rasenmähende Roboter

Die Digitalisierung pflügt nun auch deutsche Gärten um. Neue Technik ersetzt die Gießkanne - und einiges mehr.

Vernetzung im Garten? Das war bisher die letzte Option für Hobbygärtner, wenn sie Netze auslegen mussten, um die Vögel von den Johannisbeeren fernzuhalten, oder die Raupen vom Blumenkohl. Nun aber propagiert die Gartenbauindustrie, dass ein Ausbau des Hochgeschwindigkeitsinternetanschlusses zwingend bis vor die Tür sein muss - denn die dazugehörigen Digitalprodukte gehören zu einem Wachstumsmarkt. "Smart Gardening" lautet der Oberbegriff für die teure Technik, die Rasen und Beete auf Vordermann bringen soll.

Aber ist es nicht gerade das handfeste, analoge Werkeln im Garten, das Graben, Gießen, Rupfen und Ernten, das einen von der digitalisierten Arbeitswelt und den sozialen Medien ablenkt und erdet? Seit Jahren wird vom "Urban Gardening" gesprochen. Zivilisationsmüde Großstädter pflanzen Blumen auf Verkehrsinseln oder mieten sich Planquadrate auf dem Land, auf denen sie eigene Kürbisse ziehen können. Doch wie so häufig ist der ausgerufene Trend eher eine Beobachtung innerhalb einer kleinen Zielgruppe. Insgesamt geben die Deutschen immer weniger Geld für Zierpflanzen aus, durchschnittlich noch 105 Euro pro Person und Jahr, wie der Zentralverband Gartenbau errechnet hat. Auch der Verkauf von Rechen, Schaufeln und Hacken lässt nach. Doch mit elektronisch gesteuerten Gartengeräten lässt sich womöglich auch in Zukunft ordentlich Geld verdienen.

Im Gartenteich hängen bereits Temperatur- und Sauerstoffsensoren, die Alarm schlagen, falls die Gesundheit der Goldfische bedroht ist. Mähroboter verrichten ohne Murren ihren Dienst und lassen sich vom Büro aus fernsteuern. Der Pflanzroboter Farmbot beackert selbsttätig das Beet, er setzt Samen und düngt. Computerüberwachte Bewässerungsanlagen ersetzen das mühsame Herumlaufen mit der Gießkanne. Solarbetriebene Sensoren messen Bodenfeuchtigkeit, Temperatur und Helligkeit, mit Unterstützung einer Wetter-App wird errechnet, wie viel Wasser aus der Sprinkleranlage rieseln muss. Und wenn Frostgefahr droht, poppt auf dem Smartphone eine Push-Nachricht auf: Kübelpflanzenalarm!

Wenn der angesehene Gartenarchitekt Alexander Koch in seinem Büro südlich von München Gartenanlagen entwirft, muss er immer öfter Robotertechnik mit einplanen. "Bewässerungssysteme sind praktisch, Mähroboter können für große Flächen sinnvoll sein", sagt Koch. Gerade jüngere, wohlhabende Gartenbesitzer wollen es gerne schön grün haben, aber möglichst ohne Aufwand - die ideale Zielgruppe für Smart Gardening. Denn der Digitalgärtner muss nicht mal vom Sofa aufstehen, er kann das Beet per Webcam beobachten. Gruselig wird es, wenn die Gartengeräte den digitalen Kalender der Besitzer checken und sich verabreden: Ist abends ein Grillfest geplant, wird vormittags automatisch gemäht.

"Aber was mir in einem komplett digitalisierten Garten fehlen würde, wäre die Sinnlichkeit" sagt Koch. Der Gartenexperte möchte auf analoge Basisarbeiten keinesfalls verzichten, "der Lieblingsgeruch der Deutschen ist der Duft von frisch gemähtem Gras", sagt er. Seinen eigenen Rasen trimmt Alexander Koch deswegen am liebsten eigenhändig - mit einem altmodischen Spindelmäher.