Separatisten in der Ostukraine Militärchef Strelkow tritt zurück

Der Russe Igor Girkin, genannt "Strelkow", ist von seinem Posten als Separatisten-Militärchef zurückgetreten.

(Foto: AFP)

Der Russe Igor Girkin, genannt Strelkow, ist als "Verteidigungsminister" der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" abgetreten. Er ist der dritte Rebellenführer, der innerhalb weniger Tage seinen Posten aufgibt.

  • Der Militärchef der ostukrainischen Separatisten, der Russe Igor Girkin (Kampfname "Strelkow"), ist zurückgetreten.
  • Mehreren Berichten zufolge soll ein Mann namens Wladimir Kononow seine Nachfolge übernehmen.
  • Die Separatisten stehen unter militärischen Druck - neben Strelkow sind bereits zwei andere Rebellenführer in den vergangenen Tagen zurückgetreten

Strelkow, Militärchef der Separatisten in der Ostukraine, tritt zurück

Der Militärchef der Separatisten in der Ostukraine, der Russe Igor Girkin (genannt Strelkow), hat seinen Rücktritt erklärt. Die Rebellenführung der selbst erklärten "Volksrepublik Donezk" habe den Rücktritt Strelkows als "Verteidigungsminister" angenommen, erklärten die Rebellen am Donnerstag auf ihrer Internetseite. Strelkow werde einer anderen Tätigkeit nachgehen. Dazu, welchen Posten Strelkow nun übernehmen solle, machten die Separatisten keine Angaben.

Nach Angaben der britischen BBC hat auch Alexander Borodai, der ehemalige Ministerpräsident der "Volksrepublik Donezk", den Rücktritt Strelkows bestätigt. Dieser habe die Gerüchte um eine Verwundung Strelkows als "totalen Mist" zurückgewiesen.

Wladimir Kononow, genannt "Zar", soll sein Nachfolger werden

Laut BBC und der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti soll ein Mann namens Wladimir Kononov das Amt des "Verteidigungsministers" in Donezk übernehmen. Dieser sei ein "bekannter Militär", sagte ein Mitglied des Donezker Sicherheitsrats der Nachrichtenagentur Interfax. Sein Spitzname lautet "Zar".

Separatisten unter Druck

Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, die beiden Rebellenhochburgen Lugansk und Donezk zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die Armee verstärkte am Donnerstag ihren Beschuss der beiden Industriestädte im Osten des Landes. Donezk ist derzeit unter besonders heftigen Beschuss; Lugansk ist nach Angaben der ukrainischen Armee sogar von der russischen Grenze abgeschnitten und damit vollständig eingeschlossen.

Offenbar sorgt die verstärkte Offensive für Unruhe in den Führungskreisen der Separatisten. Mit Strelkow gibt bereits der dritte Rebellenanführer innerhalb weniger Tage seinen Posten auf. In Lugansk trat am Donnerstag der Separatisten-Anführer Waleri Bolotow zurück. Er könne wegen einer Verletzung nicht mehr weitermachen, erklärte Bolotow dem staatlichen russischen Sender Rossija 24 zufolge. Nachfolger sei der bisherige Verteidigungsminister der von Rebellen ausgerufenen Volksrepublik Luhansk, Igor Plotnizki. Erst vor einer Woche war der Regierungschef der proklamierten "Volksrepublik Donezk", Alexander Borodaj, zurückgetreten.

Wer ist Strelkow?

Strelkow diente nach Angaben des ukrainischen Geheimdiensts im Frühjahr 2014 zunächst als Sicherheitsberater von Sergej Aksjonow, dem selbsternannten Regierungschef der ukrainischen Halbinsel Krim, bevor diese von Russland annektiert wurde. Danach tauchte er im Osten der Ukraine als Anführer der Rebellen in der Stadt Slawjansk auf, später stieg er zum Verteidigungsminister der "Volksrepublik Donezk" auf.

In einem ausführlichen Porträt hatte SZ-Korrespondent Florian Hassel bereits Ende Mai die biographischen Hintergründe des nun abgetretenen Militärführers der Separatisten beschrieben:

"Strelkow bedeutet auf Russisch so viel wie "Schütze" und ist ein Pseudonym. Ende April identifizierte der ukrainische Geheimdienst SBU Strelkow als Igor Girkin, 44 Jahre alt, russischer Pass 4506460961, wohnhaft in der Moskauer Schenkurskij-Passage 8b. Dort bestätigten seine Nachbarn dem Kiewer Fernsehsender TSN, dass Girkin dort wohne und Soldat sei. Auch Girkins Stellvertreter bei den Separatisten bestätigte seine Identität.

Dem SBU und der EU zufolge gehört Oberst Girkin-Strelkow, der bei Nachstellungen historischer Schlachten gern etwa als russischer Legionär auftritt, zur GRU, dem für Spionage, Sabotage und Mord zuständigen Aufklärungsdienst des russischen Generalstabes. Dem russischen Dienst der BBC zufolge soll Girkin seine Meriten als Oberst der Anti-Terror-Abteilung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB erworben haben."