Seligsprechung von Oscar Romero Bischof Menschenfreund

A man closes a window in the wall next to a mural of the late Salvadoran Archbishop Oscar Arnulfo Romero in Panchimalco A man closes a window in the wall next to a mural of the late Salvadoran Archbishop Oscar Arnulfo Romero in Panchimalco, on the outskirts of San Salvador, May 21, 2015. Salvadoran Archbishop Romero, who was murdered by a right-wing death squad in 1980 and is an icon of the Roman Catholic Church in Latin America, had died as a martyr and will be beatified on May 23, the Vatican said. REUTERS/Jorge Dan Lopez

(Foto: REUTERS)
  • Der 1980 ermordete Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, wird am Pfingstsamstag von Papst Franziskus seliggesprochen.
  • Romero war ein schonungsloser Kritiker von sozialer Ungerechtigkeit und Bandenkriminalität in seinem Land.
  • Papst Johannes Paul II. stand ihm stets kritisch gegenüber. Er vermutete hinter dem Engagement des Erzbischofs linke politische Überzeugungen.
  • Dass Romero von Papst Franziskus nun selig gesprochen wird, ist ein deutliches Zeichen für den Wandel, den der aktuelle Papst eingeleitet hat.
Von Matthias Drobinski

Er weiß, dass er auf den Listen derer steht, die im Auftrag der Reichen und Mächtigen El Salvadors morden. Trotzdem ist der Gottesdienst in der Krankenhauskapelle in der Zeitung angekündigt: Oscar Romero, der Erzbischof, will sich nicht einschüchtern lassen. Er predigt über den Satz im Johannesevangelium: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht." Wer die Gefahr meidet, sagt der Erzbischof, verliert das Leben, "wer sich aber aus Liebe zu Christus dem Dienst an den anderen widmet, wird leben". Er tritt an den Altar. Es ist der Abend des 24. März 1980.

Ein Schuss. Romero stürzt hinter dem Altar zu Boden. Er stirbt im Krankenhaus. Die Auftraggeber rund um den berüchtigten Major Roberto D'Aubuisson sind zufrieden. Sie haben den Verräter liquidiert. Romeros Beerdigung endet im Chaos. Eine Bombe explodiert vor der Kathedrale, 40 Menschen sterben. Die einfachen Menschen, die Bauern, die Landlosen, wissen aber: Im Grab im Ostflügel des Doms liegt einer, der sein Leben gegeben hat für sie.

Selig- und Heiligsprechungen sind immer auch Signale

35 Jahre später erkennt das die katholische Kirche offiziell an: An diesem Pfingstsamstag, zum Fest des Heiligen Geistes, wird Oscar Romero in San Salvador seliggesprochen, als Märtyrer, der für den Glauben der Kirche gestorben ist. Der Akt erkennt die Verehrung an, die Romero in ganz Lateinamerika zuteil wird. Es ist aber mehr als das. Selig- und Heiligsprechungen sind immer auch Signale. Sie zeigen, wen der jeweilige Papst für vorbildlich hält, wer in einer Region (bei einer Seligsprechung) oder in der ganzen Welt (bei einer Heiligsprechung) verehrt werden soll.

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Und wenn es einen Seligen gibt, der den Vorstellungen entspricht, die Papst Franziskus hegt von einer Kirche, die bei den Armen ist - dann ist das Oscar Romero. Wahrscheinlich würde ohne Franziskus der Seligsprechungsprozess weiterhin im Vatikan vor sich hin dümpeln. Der neue Selige hat Gegner in Rom. Doch der Papst hat sich in einem internen Kirchenkampf eindeutig auf seine Seite geschlagen.

Seine Gegner fordern einen Exorzismus: In ihm sei der Teufel am Werk

Schon 1990 eröffnet der salvadorianische Weihbischof Gregorio Rosa Chávez das Seligsprechungsverfahren. Die Belege für das vorbildliche Leben Romeros sind schnell beisammen. 1997 übernimmt die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen in Rom das Verfahren. Sie sammelt Schriften, Zeugenaussagen, Berichte, ein Kirchenanwalt prüft. Die Anhänger Romeros hoffen auf ein schnelles Verfahren. Sie werden enttäuscht.

In Rom regiert seit 1978 Papst Johannes Paul II. Der ist aufgrund seiner Erfahrungen in Polen strikter Antikommunist. Er misstraut der "Theologie der Befreiung" in Lateinamerika, für ihn steht sie unter Marxismusverdacht. Er vertraut den Vertretern des streng konservativen Opus Dei, macht Gegner der Befreiungstheologie zu Bischöfen in Lateinamerika. Für die ist klar: Romero hat die staatliche Autorität in Frage gestellt - er starb in der politischen Auseinandersetzung, als Unseliger.

Dabei ist Romero die meiste Zeit seines Lebens ein konservativer Kirchenmann. Ihn bedrückt, dass es so viele Arme gibt in El Salvador. Er bewegt die Großgrundbesitzer, für die Armen zu spenden. Er ist aber gegen jede Politisierung der Kirche. Als er im Februar 1977 Erzbischof von San Salvador wird, gilt er als Günstling des Opus Dei.