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Seenotrettung:Sicherer Hafen gesucht

Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

Der Hilferuf des Seenotrettungsschiffs Louise Michel wurde erhört.

(Foto: Chris Grodotzki/dpa)

"Sea-Watch 4" übernimmt die Flüchtlinge des Banksy-Schiffs "Louise Michel" und hat nun 350 Menschen an Bord.

Der Hilferuf des Seenotrettungsschiffs Louise Michel im Mittelmeer ist erhört worden: Nachdem die italienische Küstenwache am Samstagabend 49 Menschen übernommen hatte, wechselten später etwa 150 weitere Gerettete auf die Sea-Watch 4. "Wir haben nun rund 350 Personen an Bord, die so schnell wie möglich in einem sicheren Hafen an Land gelassen werden müssen", twitterte Sea-Watch. Besatzung und Überlebende an Bord der Sea-Watch 4 seien völlig erschöpft, sagte Hannah Wallace Bowman, Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen und auf dem Rettungsschiff im Einsatz, dem Evangelischen Pressedienst epd. Ärzte ohne Grenzen und Sea-Watch leisteten Nothilfe, wenn Staaten dies nicht tun. "Jetzt sind wir auf See gestrandet. Wir werden dafür bestraft, dass wir die Lücke gefüllt haben, welche die EU-Regierungen an der tödlichsten Seegrenze der Welt hinterlassen haben."

Die zehn Besatzungsmitglieder der Louise Michel hatten sich nach mehreren Rettungsaktionen vorübergehend um mehr als 200 Menschen gekümmert. 33 von ihnen mussten wegen Überfüllung des Schiffs zunächst auf einer Rettungsinsel ausharren. An Bord befand sich auch ein Toter, andere Migranten waren verletzt. Nach eigenen Angaben war das Schiff manövrierunfähig und setzte einen Hilferuf ab, der zunächst verhallte. Das Schiff habe die italienische Küstenwache, das maltesische Militär und die Seenotleitung Bremen um Hilfe gebeten, hieß es in Tweets. Auch Sea-Watch International setzte via Twitter Hilferufe ab. Die italienische Küstenwache übernahm schließlich vor allem Frauen und Familien mit Kindern.

Unterstützt wird die Louise Michel vom international bekannten Street-Art-Künstler Banksy. Er kaufte das frühere Schiff der französischen Marine für die Seenotrettung im Mittelmeer und bemalte es. Kapitänin des Schiffs ist Pia Klemp, die auch schon für Sea-Watch im Einsatz war. In einem Video auf Instagram kritisierte Banksy den Umgang der EU mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. "Wie die meisten Menschen, die es zu etwas in der Kunstwelt gebracht haben, habe ich eine Yacht gekauft, um auf dem Mittelmeer herumzukreuzen", ist mit ironischem Unterton in den Untertiteln des knapp einminütigen Videos zu lesen. Das Video, das innerhalb von zehn Stunden knapp 2,4 Millionen Mal aufgerufen wurde, endet in Anlehnung an die Bewegung "Black Lives Matter" mit der Aufschrift: "All Black Lives Matter" (Alle schwarzen Leben zählen).

© SZ vom 31.08.2020 / epd, dpa

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