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Schwere Vorwürfe gegen US-Republikaner Cain:"Du willst doch einen Job, oder?"

Diesmal sind die Vorwürfe sehr konkret: Eine vierte Frau beschuldigt Herman Cain, sie sexuell bedrängt zu haben. Sharon Bialek stellt sich als erstes der mutmaßlichen Opfer offen vor die Presse - und beschreibt detailliert, wie der republikanische Präsidentschaftsbewerber sie belästigt haben soll.

Eine vierte Frau beschuldigt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain, sie sexuell belästigt zu haben. Diesmal sind die Vorwürfe sehr konkret - und erstmals stellt sich ein mutmaßlichen Opfer der Öffentlichkeit. Sharon Bialek erklärte auf einer Pressekonferenz in New York, Cain habe ihr unter den Rock gegriffen und sie bedrängt. "Er berührte mein Bein, griff unter meinen Rock und nach meinen Genitalien", sagte Bialek. Zudem habe er ihren Kopf in Richtung seines Schritts gedrückt.

"Ich war sehr, sehr überrascht und sehr geschockt", sagte Bialek. Sie habe Cain daraufhin gefragt, was er vorhabe und ihm gesagt, dass sie einen Freund habe. Sie verfolge keine sexuellen Absichten, sondern sei wegen einer neuen Stelle zu ihm gekommen. Daraufhin habe Cain gesagt: "Du willst doch einen Job, oder?" Bialek war früher Angestellte des Gaststättenverbandes National Restaurant Association (NRA), deren Chef Cain einst war.

Sharon Bialek sagte, sie habe Cain vor 14 Jahren während eines offiziellen Abendessens kennengelernt. Als sie einen Monat danach entlassen worden sei, habe sie sich an Cain gewandt, der seinen Job bei der NRA gerade aufgegeben hatte, und ihn um Hilfe gebeten. Beide hätten sich im Juli 1997 in der Bar ihres Hotels in Washington getroffen. Nach einem gemeinsamen Essen habe er sie dann im Auto belästigt.

Sie gehe jetzt mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit, weil sie anderen Frauen mit ähnlichen Erfahrungen "eine Stimme" geben wolle. Die Nachrichtenseite Politico hatte Ende Oktober berichtet, dass sich bereits in den neunziger Jahren zwei Frauen über anzügliche Bemerkungen und Gesten Cains beschwert hatten. Am Ende hätten die Frauen eine Abfindung erhalten, sich zum Verlassen der Vereinigung und zum Schweigen verpflichtet. Vergangenen Mittwoch beschuldigte eine dritte Frau Cain, ihr gegenüber anzügliche Bemerkungen gemacht zu haben.

"Dieser Mann hat Amerika belogen"

Wie schon bei den vorangegangenen Fällen wies der 65-Jährige die Anwürfe vehement zurück. Cain sagte in einer ersten Reaktion in einer nächtlichen Fernseh-Talkshow, die Vorwürfe seien "total erfunden". Es sei "kein Quäntchen Wahrheit daran". Die Vorwürfe gegen ihn bezeichnete er in einer Mitteilung als Scheinangriffe, die von seinen politischen Vorhaben ablenken sollten. Am späten Dienstagabend will sich Cain auf einer Pressekonferenz persönlich zu den Vorwürfen äußern.

Bialeks Anwältin Gloria Allred sagte: "Wenn wahr ist, was meine Mandantin sagt, bin ich angewidert. Dieser Mann, der Präsident werden will, hat Amerika belogen." Von zwei Bekannten Bialeks lägen schriftliche Zeugenaussagen vor, in denen diese bestätigten, dass die Frau damals über den Abend berichtet habe. Allred ist eine prominente Feministin. Nach eigenen Angaben führt ihre Kanzlei die meisten Frauenrechtsprozesse in den USA.

Trotz der mehrfachen Vorwürfe hat Cain weiter Rückhalt bei den Republikanern. Laut einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage von Washington Post und ABC liegt Cain im Vorwahlrennen Kopf an Kopf mit Mitt Romney, dem Ex-Gouverneur von Massachusetts. In den Umfragen sind allerdings noch nicht die Vorwürfe Bialeks berücksichtigt.