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Schweiz:Eingesperrt ohne Verfahren

Die Schweiz hat ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte aufgearbeitet. Am Montag veröffentlichte eine von der Regierung eingesetzte Kommission zur Erforschung der sogenannten administrativen Versorgungen ihren Abschlussbericht. Daraus geht hervor, dass Behörden in der ganzen Schweiz im 20. Jahrhundert mindestens 60 000 Menschen ohne Gerichtsverfahren in Anstalten sperrten. Die Betroffenen hatten sich nicht strafbar gemacht, sondern galten als von der Norm abweichend und als Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Arbeitslose, Alkoholkranke, fahrendes Volk oder Mütter von unehelichen Kindern wurden häufig Opfer dieser Zwangsmaßnahme. Viele wurden mehrmals interniert, oft über Jahre. Erst auf internationalen Druck hin beendete die Schweiz 1981 diese Praxis. Seit 2016 gibt es erste Rehabilitierungsmaßnahmen, etwa die Möglichkeit einer Entschädigung.

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