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Schweiz:Aus nationalem Interesse

Die Affäre um einen Spion zeigt die Bedeutung des Schwarzgeld-Geschäfts.

Von Charlotte Theile

Unglücklich war der Zeitpunkt für den Schweizer Nachrichtendienst: Zwei Tage nachdem bekannt geworden war, dass ein Schweizer Spion in Frankfurt festgenommen wurde, veröffentlichte der Geheimdienst nun seinen Lagebericht zur Sicherheit der Schweiz. Geheimdienstchef Markus Seiler wollte über islamistischen Terrorismus und politischen Extremismus sprechen, nun fragten alle nach Spion Daniel M.

Die Affäre stellt das Image, das die Schweiz vermitteln will, auf den Kopf. Während Banken und Politiker von lückenloser Weißgeldstrategie sprechen, war der Spion offenbar beauftragt herauszufinden, wie Daten deutscher Kunden aus der Schweiz zu den deutschen Steuerfahndern gelangten. Das bedeutet: Das Geschäft mit schwarzen Geldern gehört weiter zum nationalen Interesse der Schweiz. Und: Die Schweiz will wissen, wie gut die Nachbarländer informiert sind, wo es Lücken gibt, welche Leichen noch aus dem Keller gezerrt werden könnten. Man weicht den Fragen aus. Geheimdienstchef Seiler sagte: "Nachrichtendienstliche Arbeit ist kein Streichelzoo."

Natürlich verfolgt wohl jeder Geheimdienst Ziele, die mit der offiziellen Position des Landes schwer zu vereinbaren sind. Dass es ausgerechnet das Geschäft mit Schwarzgeld ist, mit dem die Schweiz auffliegt, ist bitter. Für deutsche Kunden bleibt nur ein Schluss: Konto offenlegen. Die nächste Steuer-CD kommt bestimmt.

© SZ vom 03.05.2017
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