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Schule:Auf die Lehrer kommt's an

Mehr Computer allein sind noch keine digitale Strategie.

Von Susanne Klein

Digitale Medien müssen im Schulalltag so normal sein wie im übrigen Leben. Auch so lässt sich der Vorstoß von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka lesen: fünf Milliarden Euro für Wlan und Computer in 40 000 deutschen Schulen. Da junge Menschen ohne Kenntnisse im Digitalen praktisch keinen Beruf mehr ergreifen können, gehört zu guter Bildung eben auch der souveräne Umgang mit dem Laptop und Tablet.

Doch was nützen schnelles Internet und smarte Endgeräte, wenn die Pädagogen fehlen, die mit der Technik auch gut umgehen können? Wenn viele Lehrer statt zu fragen, was didaktisch und inhaltlich eigentlich möglich ist, bei Stichworten wie "Snapchat" oder "digitaler Lernraum" nachschlagen müssen. Und wenn etliche, vor allem ältere, sich schon aus reinem Selbstschutz sperren, weil sie nur leidlich mit dem Beamer klarkommen - während unter den Schulbänken virtuos gechattet wird?

Soll Wankas Pakt sein Ziel erreichen, muss er sich zuerst auf die Lehrer konzentrieren. Sie müssen mit Hardware versorgt und unterrichtet werden. Es braucht Geld und Zeit für Fortbildungen, aber auch für ganz praktische Allianzen: So könnten internetaffine, mit digitalen Lerninhalten erfahrene Kollegen anderen helfen. Ob der Funke dabei überspringt? Man muss es hoffen. Ohne Begeisterung bei den Lehrern wird Wankas Plan jedenfalls nicht funktionieren.

© SZ vom 13.10.2016
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