Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft Whistleblower Manning soll Feind unterstützt haben

Der Vorwurf könnte Wikileaks-Informant Bradley Manning lebenslang hinter Gitter bringen: In ihrem Abschlussplädoyer wirft ihm die Anklage Feindesunterstützung vor. Die Weitergabe von Daten räumt Whistleblower Manning zwar ein, doch den Hauptvorwurf bestreitet er.

Im Prozess gegen den US-Whistleblower Bradley Manning hat die Staatsanwaltschaft dem Armee-Obergefreiten vorgeworfen, vertrauliche Dokumente aus Eigennutz an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben. "Er war nur daran interessiert, es zu etwas zu bringen", sagte Staatsanwalt Ashden Fein in seinem mehr als zweieinhalb Stunden andauernden Schlussplädoyer am Donnerstag.

Fein bezichtigte den 25-Jährigen der Feindesunterstützung. Manning habe sein Land und die Streitkräfte verraten, indem er "Dokumente zur direkten Nutzung durch den Feind verbreitete". Von Manning veröffentlichte Dokumente wurden später auf dem Computer von Terrorchef Osama bin Laden gefunden, dem Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf die Maximalstrafe und fordert insgesamt lebenslang plus 154 Jahre Haft.

Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 Hunderttausende Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und Wikileaks zugespielt. Stundenlang habe Manning nur nach Dingen gesucht, die die Plattform interessieren könnten und dank seiner speziellen Ausbildung sehr genau gewusst, welche Konsequenzen ihm für seine Handlungen drohten, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft. Ihm sei auch klar gewesen, dass er eine entscheidende Rolle darin spielte, das Verteidigungsministerium der USA zu schützen. Mehrfach zeigte Fein eines der mehr als 160 Beweisstücke: Ein Foto, das Manning von sich gemacht haben soll, kurz bevor er die streng vertraulichen Dokumente abschickte.

Manning habe vor allem um die Gunst von Wikileaks-Chef Julian Assange gekämpft, sagte Fein: "Es ist offenkundig, dass Manning so viel Informationen wie möglich sammelte, um Assange zu gefallen." Die Plattform bestehe im Grunde genommen nur aus "Informations-Anarchisten", sagte Fein. "Der einzige Mensch, der dem Obergefreiten Bradley Manning wichtig war, war er selbst."

Manning räumte die Weitergabe der Dateien ein und bekannte sich einer Reihe minderschwerer Anklagepunkte für schuldig, darunter unerlaubter Besitz und vorsätzliche Weitergabe von Geheimdokumenten. Den Hauptvorwurf der Feindesunterstützung bestritt er dagegen.

Das Verfahren könnte ein Präzedenzfall werden

Der Beginn der Schlussplädoyers der Verteidigung verzögerte sich mehrfach. Um ein geringeres Strafmaß für den Whistleblower zu erwirken, stellte die Verteidigung zuvor Anträge, die Anklagen wegen Diebstahls von Regierungseigentum aus Mangel an Beweisen fallen zu lassen. Die Richterin lehnte diesen Antrag jedoch ab.

Manning trug wie zuvor seine dunkelblaue Paradeuniform. Die Wortwechsel im Gerichtssaal verfolgte er gespannt und stumm und meldete sich nicht zu Wort. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden für die Schlussphase des Prozesses verschärft.

Das Verfahren vor dem Militärgericht in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower. Der Prozess hatte Anfang Juni begonnen, das Urteil wird im kommenden Monat erwartet. Das Verfahren könnte Beobachtern zufolge zum Präzedenzfall für weitere Whistleblower werden, darunter für Wikileaks-Chef Julian Assange und den von den USA gesuchten Edward Snowden, der die NSA-Spionage öffentlich gemacht hatte.

Unterstützer Mannings sammelten in der Schlussphase des Verfahrens Spenden, um die Gerichtskosten zu decken. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige in der New York Times forderten sie US-Präsident Barack Obama auf, Manning zu verzeihen.