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Schlappe für Präsidentin Park:Opposition siegt bei Parlamentswahl in Südkorea

  • Bei der Parlamentswahl in Südkorea verliert die konservative Regierungspartei nach 16 Jahren ihre Mehrheit.
  • Präsidentin Park wird in ihrer verbleibenden Amtszeit damit gegen die Nationalversammlung regieren müssen.
  • Vor allem junge, gut ausgebildete stimmten für die Opposition.

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wird ihre letzten beiden Amtsjahre als "Lahme Ente" gegen das Parlament regieren müssen. Saenuri, ihre konservative Partei, verpasste bei den Wahlen am Mittwoch ihre bisherige Mehrheit nach 16 Jahren deutlich. Sie nur 122 der 300 Sitze. Außerdem haben die Wähler die "Volkspartei", eine neu gegründete Reformpartei, als dritte Kraft wuchtig ins Parlament gehoben. Der Zweiparteien-Staat Südkorea ist zu einem Drei-Parteien-System übergegangen. Bisher hat Saenuri die Opposition meist ignoriert, die Opposition die Geschäfte dagegen blockiert. Nun werden die Parteien Kompromisse finden müssen.

Im Vorfeld schien fast alles für Park zu laufen. Das Säbelrasseln Nordkoreas hat die Wähler bisher meist in die Arme ihrer Konservativen getrieben. So viel Lärm wie Jungdiktator Kim Jong Un in den vergangenen Monaten hat der Norden lange nicht mehr gemacht. Saenuri steht für eine harte Linie gegen Pjöngjang, die Konservativen werfen der oppositionellen Minjoo-Partei vor, sie sympathisiere mit dem Norden, da sie im vergangenen Jahrzehnt mit der "Sonnenschein-Politik" den friedlichen Ausgleich suchte.

Park und ihre Leute haben die Wähler weiter beschworen, nur sie sei in der Lage, die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu überwinden. Vor allem aber hat sich Minjoo zwei Monate vor den Wahlen gespalten, Parteichef Moon Jae In trat entnervt zurück. Kim Chong In führte als Interims-Chef die desorganisierte Opposition in den Wahlkampf. Südkoreas Leitmedien, die Experten und die großen Umfrage-Institute sagten deshalb alle einen komfortablen Sieg von Saenuri voraus.

In den sozialen Medien dagegen bot sich ein anderes Bild. Die Leute schimpften, die Konservativen hätten das Land zu "Hell-Jeoson" gemacht, englisch-koreanisch für "Höllen-Korea". Einige wenige junge Koreaner, die Kinder der Chaebol, der Familienkonzerne, lebten mit einem goldenen Löffel im Mund. Die Jungen des oberen Mittelstands hätten eine silbernen Löffel. Der große Rest dagegen, jene Jungen, die trotz meist guter Ausbildung und langer Arbeitstage in schlecht bezahlten Jobs schufteten, hätten nur einen "Dreck-Löffel".

Die Wahlbeteiligung liegt bei 58 Prozent - so hoch wie seit zwölf Jahren nicht

Dieses Jahr planten alle ihre Kommilitonen, wählen zu gehen, erzählt eine Studentin. Mit 58 Prozent war die Wahlbeteiligung so hoch wie seit zwölf Jahren nicht. Dabei, so die Studentin, hätten die meisten Studenten nicht gewusst, wem sie ihre Stimme geben sollten. Statt Programme zu vertreten, hätten sich die Politiker im Wahlkampf nur beschimpft. "Nur nicht Saenuri", für Park hätten sie nur Verachtung.

Die Präsidentin war im Jahr 2013 mit dem Versprechen angetreten, sie werde "die Wirtschaft demokratisieren". Getan habe sie nichts, die Kluft zwischen Arm und Reich werde ständig größer. Jobs für die Jungen schaffe sie auch keine, so die Studentin. Und den Slogan von der Demokratisierung der Wirtschaft habe sie der Opposition gestohlen.

Der Politologe Song Se Ryun meinte im Fernsehen, angesichts der Mobilisierung der Jungen hätte er eine noch höhere Wahlbeteiligung erwartet. Er vermute, viele Alte, die treuen Stammwähler von Parks Saenuri, seien zu Hause geblieben: "Sie haben genug von einer Politik, die nicht funktioniert." In Südkorea unterscheidet man kurze "politische Generationen". Die Studenten, die Ende der 1980er-Jahre in Straßenprotesten die Demokratie erkämpft hatten, hoben 1998 den Menschenrechtler Kim Dae Jung ins Präsidentenamt. Ihre Kinder, die heute 20- bis 30-Jährigen, nennt man die Sewol-Generation. Der Schock der untergehenden Sewol-Fähre im April vor zwei Jahren, die fast 300 Mittelschüler in den Tod riss, habe ihr Vertrauen in den Staat zerstört, zumal die Rettungsdienste sich als völlig unfähig erwiesen, die Kinder aus dem Schiff zu holen, und Präsidentin Park völlig inadäquat reagierte.

Ältere halten stramm zu Park

Die Älteren dagegen halten stramm zu Park, der Tochter des Diktators Park Chung Hee, der in den 1960er-Jahren das südkoreanische Wirtschaftswunder angeschoben hatte. Im Fernsehen wurde die Wahl denn auch als ein "Tauziehen der Generationen" bezeichnet.

Südkorea ist nicht nur in Generationen, sondern auch regional gespalten. Der Südosten ist stramm konservativ, vor allem die Stadt Daegu, die Heimat der Parks. Der vernachlässigte Südwesten dagegen wählte stets Minjoo. Dieses Mal ist er zur neuen Volkspartei des Arztes und Internet-Unternehmers Ahn Cheol Soo übergelaufen. Der vor allem bei Jungen beliebte Ahn ist ein politischer Quereinsteiger, er schloss sich im Jahr 2012 Minjoo an und galt als aussichtsreicher Anwärter auf die Präsidentschaft, verzichtete dann aber zugunsten des braven Moon Jae In, der dann gegen Park verlor.

Er wolle das Lager der liberalen Opposition nicht spalten, sagte Ahn damals. Jetzt hat er mit seiner Partei auf Anhieb 34 bis 41 Sitze gewonnen. Und wird damit zum Anwärter auf die Nachfolge Parks bei den Präsidentschaftswahlen 2017.