Sachsen Erleichterung bei der CDU 

Bei der Bürgermeisterwahl in Görlitz siegt der CDU-Kandidat. Für den AfD-Bewerber stimmen aber immerhin 45 Prozent.

Von Antonie Rietzschel, Görlitz

Der CDU-Politiker Octavian Ursu wird neuer Oberbürgermeister in Görlitz. Nach dem vorläufigen Endergebnis gewann der 51-Jährige am Sonntag die Stichwahl gegen Sebastian Wippel (36) von der AfD mit 55,2 zu 44,8 Prozent. In der ersten Runde am 26. Mai hatte der Musiker und Landtagsabgeordnete mit 30,3 Prozent nur Platz 2 hinter Wippel (36,4 Prozent) erreicht. Die beiden ebenfalls unterlegenen Kandidatinnen Franziska Schubert von den Grünen (27,9) und Jana Lübeck von den Linken (5,5) hatten danach verzichtet, um Wippel zu verhindern.

"Ich freue mich", sagte Ursu der Deutschen Presse-Agentur. "Nun geht es darum, auf die anderen zuzugehen, die mich nicht gewählt haben." Der unterlegene Kandidat Sebastian Wippel sagte: "Es ist keine Wahl für die CDU, sondern gegen den AfD-Kandidaten. Die CDU hat einfach mit jedem zusammen gearbeitet - auch mit Linksextremisten." Ursu hatte am Freitag an einer Demonstration gegen Rassismus teilgenommen. Den Lokalmedien warf Wippel Meinungsmache, politischen Gegnern Diffamierung vor. Seine Anhänger feierten ihn mit "Wippel"-Rufen.

Die Bundes-CDU reagierte erleichtert auf den Sieg Ursus. "Ich gratuliere Octavian Ursu, der von einem breiten Bündnis getragen wurde, zur Wahl zum neuer Oberbürgermeister von Görlitz", sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer."

Bei der Oberbürgermeisterwahl stand mehr auf dem Spiel als das Image der selbsternannten Europastadt sowie der gute Ruf als "Görliwood" für internationale Filmproduktionen. Görlitz ist die Heimat des Ministerpräsidenten Kretschmer. Bereits zur Bundestagswahl 2017 hatte die AfD im Wahlkreis Görlitz das Direktmandat geholt.

Sebastian Wippel hatte beim ersten Wahlgang Ende Mai 36,4 Prozent und damit das stärkste Ergebnis geholt. Octavian Ursu holte 30,3 Prozent. Ihn trennten wiederum nur wenige Prozentpunkte von Franziska Schubert. Die Grünen-Politikerin erzielte dank der Unterstützung eines breiten Bürgerbündnis mit 27,9 Prozent ein ungewöhnlich hohes Ergebnis. Jana Lübeck von den Linken landete bei 5,5 Prozent.

Trotz des zweiten Platzes galten Ursu und die CDU nach dem ersten Wahlgang als die eigentlichen Verlierer. Auch weil die Partei im Landkreis bei der Europa- und Kommunalwahl schwach abschnitt. Dennoch erklärte Ursu, er werde im zweiten Wahlgang erneut antreten. Damit brüskierte er die Unterstützer von Franziska Schubert, die in der 37-Jährigen die bessere Kandidatin sahen. Doch um einen AfD-Bürgermeister in Görlitz zu verhindern, verzichtete sie auf die erneute Kandidatur.

Wahlkampfhilfe aus Hollywood: "Wählt weise", appellierten Schauspieler und Produzenten

Die AfD, die nach eigenen Angaben einen fünfstelligen Betrag in den Wahlkampf ihres Kandidaten gesteckt hat, setzte im Endspurt auf die Unterstützung durch die Parteispitze. Alice Weidel besuchte Görlitz, um sich bei den Wahlkämpfern zu bedanken. Die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch trat ebenfalls auf.

Unverhoffte Wahlkampfhilfe kam aus Hollywood. In einem offenen Brief appellierten Schauspieler, Regisseure und Produzenten an die Wahlberechtigten unter den 57 000 Einwohnern der Stadt: "Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin", heißt es darin. Und: "Bitte wählt weise, wenn die Wahl an euch ist, liebe Bürgerinnen und Bürger und Freunde in Görlitz!" Die historische Stadtkulisse hat zahlreiche Filmemacher angezogen. "Inglourious Basterds" wurde hier gedreht, ebenso "Der Vorleser" und "The Grand Budapest Hotel".

Die AfD sah darin eine Einflussnahme von außen. In einem von der Partei gedrehten Video wird ihr Kandidat als eine Art Widerstandskämpfer in der Tradition der Bürgerrechtler von 1989 stilisiert. Hollywood lieferte unfreiwillig die Idee für einen neuen Slogan. In Anlehnung an den Brief lautet der: "Wählt weise Wippel." Obwohl Wippel nun verloren hat - seine Partei macht deutlich, dass sie in der Region eine Stammwählerschaft aufgebaut hat, die zum Problem für die CDU geworden ist.