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Reportage:Die Qualen eines Einzelgängers

Horst Seehofer fühlt sich ein weiteres Mal von Edmund Stoiber verlassen und will den Kompromiss in der Gesundheitspolitik nicht mittragen.

Von Peter Fahrenholz

München, 16. November - Horst Seehofer saß im Auto, als sich für ihn die Geschichte auf traumatische Weise wiederholte. Der CSU-Vize war auf der Fahrt zur Herbstversammlung des Landeskomitees der bayerischen Katholiken in Weiden, als am vorigen Freitagnachmittag sein Handy klingelte.

Seehofer, Stoiber, dpa

Zum zweiten Mal in letzter Minute von Stoiber im Stich gelassen worden: Seehofer (li.)

(Foto: Foto: dpa)

Am anderen Ende war Edmund Stoiber, und das Gespräch verlief unerfreulich. Stoiber sagte, er werde jetzt noch einmal mit Angela Merkel reden, und skizzierte dann für die Beilegung des Streits mit der CDU um die Gesundheitspolitik jene Kompromisslinie, die am Wochenende auch Wirklichkeit werden sollte.

"Das kann ich nicht mittragen", sagte Seehofer zu Stoiber. "Das Thema muss vom Tisch", beschied hingegen der CSU-Vorsitzende seinen Stellvertreter, so schildert es Seehofer, und redete dann von Harmonie und Geschlossenheit, die ganz wichtig seien, besonders jetzt, vor den Parteitagen von CDU und CSU.

Seehofer hätte nie damit gerechnet, dass ihn sein Vorsitzender Stoiber ein weiteres Mal in letzter Minute im Stich lassen würde. So wie im Sommer 2003, als die beiden CSU-Granden Seite an Seite dafür gekämpft hatten, dass bei den Verhandlungen mit der rot-grünen Bundesregierung über eine Gesundheitsreform der Zahnersatz im Leistungskatalog der Krankenkassen erhalten bleibt.

Jetzt ist es wieder passiert

Bis Stoiber dann nach einem Telefonat mit Merkel umschwenkte. Jetzt ist es wieder passiert. "Ich hatte überhaupt keinen Anhaltspunkt, dass hier Unheil drohte", sagt Horst Seehofer.

Monatelang sei man bei der schwierigen Suche nach einem Kompromiss in der gesamten CSU einig gewesen, und auf der Zielgeraden sehe plötzlich alles anders aus, "da werden die letzten Meter alleine gelaufen".

So wie Horst Seehofer die Dinge sieht, haben auf diesen letzten Metern alle Argumente plötzlich keine Rolle mehr gespielt, die die CSU-Vertreter ihren CDU-Kollegen monatelang wieder und wieder vorgehalten hatten.

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