Religionsfreiheit Zeichen gegen Antisemitismus

Bonn trägt Kippa: ein Demonstrant auf dem Marktplatz.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Bonner solidarisieren sich mit jüdischem Professor. Er war von einem Angreifer und von Polizisten attackiert worden.

Bei einem "Tag der Kippa" in Bonn haben mehrere hundert Menschen an diesem Donnerstag ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Viele von ihnen trugen bei der Kundgebung am Alten Rathaus die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. "Niemand, keine Bonnerin und kein Bonner und erst recht kein Gast, sollte sich in unserer Stadt vor Tätlichkeiten fürchten müssen, auch nicht wegen eines religiösen Symbols", sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan vor der Veranstaltung. Der ursprünglich für November geplante Tag wurde vorgezogen, nachdem vergangene Woche ein israelisch-amerikanischer Professor im Bonner Hofgarten von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert worden war.

Auch die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Margaret Traub, und der Direktor des in Bonn angesiedelten UN-Klimasekretariats Martin Frick sprachen bei der Veranstaltung. "Judenfeindlichkeit ist bei uns in Deutschland oft in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagte Traub. So würden jüdische Kinder in der Schule gemobbt.

Der Philosophieprofessor Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore, der als Gastprofessor in Bonn war, war eigenen Angaben zufolge von seinem Angreifer gefragt worden, ob er Jude sei. Dann habe der Mann ihn angeschrien, geschubst und ihm die Kippa vom Kopf geschlagen. Melamed macht aber vor allem der herbeigerufenen Bonner Polizei Vorwürfe: Diese hätten ihn zunächst für den Angreifer gehalten, überwältigt und Dutzende Male ins Gesicht geschlagen, sodass er blutete, berichtete Melamed der Funke Mediengruppe. Ein Polizist habe ihn belehrt: "Don't get in trouble with the German police" ("Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an."). Er habe geantwortet, vor der deutschen Polizei keine Angst mehr zu haben. Diese habe 1942 seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante ermordet. Auf der Wache hätten die Beamten versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Die Polizei und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) entschuldigten sich. Das Polizeipräsidium Köln hat ein Disziplinarverfahren gegen die vier Beamten eröffnet.

Der 20 Jahre alte Angreifer ist unterdessen erneut auffällig geworden. Am späten Dienstagabend war er nach Polizeiangaben mit mehreren Leuten im Bonner Hofgarten in Streit geraten. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe er ein Messer gezückt und gerufen: "Ich könnte euch alle töten!". Der Mann wurde festgenommen. Das Landgericht Bonn hat nun einen bereits bestehenden Haftbefehl wegen Raubes, der zunächst ausgesetzt war, wieder in Kraft gesetzt. Am Donnerstag sollte der Mann in eine JVA überstellt werden.

Auch in Düsseldorf soll es vergangene Woche zu einem antisemitischen Vorfall gekommen sein. Laut Polizei sei ein 17-Jähriger mit Kippa und israelischer Flagge als Anstecker aus einer Gruppe von etwa zehn jungen Männern heraus beschimpft und angerempelt worden. Die Ermittler suchen noch Zeugen.