Reker-Attentat Nach der Tat war er ganz ruhig

Der Mann, der in Köln die Oberbürgermeister-Kandidatin fast umbrachte, brüstet sich mit der Tat.

Von Annette Ramelsberger, Düsseldorf

Der Attentäter, der die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Tag vor ihrer Wahl lebensgefährlich verletzt hat, wollte offenbar eigentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel töten - um gegen ihre Flüchtlingspolitik zu protestieren. Das wurde am Freitag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf bekannt, wo Polizeibeamte über die Festnahme des Attentäters berichteten. Einer der drei Polizisten, die den 44 Jahre alten Frank S. nach der Tat in ihrem Dienstwagen auf die Polizeiwache begleiteten, sagte, er habe gehört, dass Frank S. im Auto gesagt habe, dass er "gerne Frau Merkel getötet hätte, aber es schwierig sei, an Merkel ranzukommen". Auf die Nachfrage der Richterin versicherte der Beamte, er habe das "hundertprozentig gehört". Seine Kollegen konnten sich daran nicht oder nur vage erinnern.

Im Gerichtssaal rief Frank S. dem Polizisten zu, er sei ein "verlogener Schweinehund". Allerdings kritisierte er auch einen anderen Beamten, der das Protokoll dieser Fahrt angefertigt hatte, warum der Satz mit Merkel dort nicht stehe. Es sei ja nicht "ganz unwichtig, dass ich die Bundeskanzlerin umbringen wollte". Der Beamte erklärte, er habe das übersehen, "dem Kollegen ist es zum Glück aufgefallen". Frank S. steht wegen versuchten Mordes und vierfacher Körperverletzung vor Gericht. Er ergreift immer wieder selbst das Wort und muss von der Richterin Barbara Havliza mühsam im Zaum gehalten werden. Frank S. stellte erneut den Antrag, seine beiden Verteidiger loszuwerden. Sie würden sich zu wenig um ihn kümmern. Dem kam das Gericht allerdings nicht nach.

Er habe das alles auch für sie getan, sagte Frank S. den Polizisten im Streifenwagen

S. sieht sich selbst als "konservativer Rebell", der mit seiner Tat auf die angebliche Überfremdung Deutschlands aufmerksam machen wollte. Die damalige Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker, die sich als Sozialreferentin für die Flüchtlinge einsetzte, galt ihm dafür als Symbol. Die Polizisten sagten übereinstimmend, dass Frank S. mehrmals betont hatte, sein Ziel sei es gewesen, Reker zu töten. Er habe damit ein Zeichen setzen wollen. Er selbst sagt, er habe nur verletzen und nicht töten wollen.

Der Polizist, der im Streifenwagen neben Frank S. saß, sagte, er habe sogar nachgefragt, ob Frank S. wirklich hoffe, dass Reker stirbt. Ja, habe der geantwortet. Der Attentäter sei sehr ruhig gewesen. Er habe immer wieder betont, dass er die Tat auch für die Polizisten begangen habe. Sie müssten ja die Probleme mit den Ausländern lösen. Wenn Reker Oberbürgermeisterin von Köln werde, dann würde der Islamismus immer stärker werden und die Scharia in Deutschland herrschen. S. habe gesagt, seine Tat werde man erst in fünf oder zehn Jahren verstehen. Die Polizisten berichteten auch, der Mann habe ihnen auf der 20-minütigen Fahrt erzählt, dass er nicht mehr zur Jobagentur gegangen sei, weil ihn dort zwei "verschleierte" Sachbearbeiterinnen schlecht behandelt hätten. In den vergangenen Jahren war der gelernte Maler und Lackierer Frank S. arbeitslos gewesen.