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Rassismus in Katar:Langsamer Fortschritt

Katar führt erste Arbeitnehmerrechte ein - endlich.

Von Dunja Ramadan

Besser spät als nie: Das WM-Gastgeberland Katar kündigt Reformen auf dem Arbeitsmarkt an. Angestellten wird künftig erleichtert, ihren Arbeitgeber zu wechseln, außerdem erhalten sie einen Mindestlohn. Zwar ist dieser mit umgerechnet einem Euro pro Stunde nicht sonderlich hoch, doch der Arbeitgeber muss sowohl Verpflegung als auch eine angemessene Unterkunft zur Verfügung stellen. Dafür war es höchste Zeit.

In der Vergangenheit verabschiedete Katar zwar einige Arbeitsrechtsreformen, etwa die Lockerung der Ausreisebestimmungen Anfang des Jahres. Doch immer wieder zeigten sich Probleme bei der Durchsetzung und Umsetzung der Gesetze. Die anhaltende internationale Kritik, gerade auch mit Blick auf die WM, scheint nun gewirkt zu haben - auch wenn die Reformen nicht alle Probleme lösen können.

Im Alltag treffen die über zwei Millionen Arbeitsmigranten auf strukturellen Rassismus. In Katar herrsche ein "De-facto-Kastensystem, das auf der nationalen Herkunft beruht", hieß es kürzlich in einem UN-Bericht. Die Mehrheit der Migranten kommt aus Südasien sowie Ost- und Westafrika, nur 300 000 Einheimische leben in Katar. Vor allem während der Corona-Krise trat der Rassismus hässlich zutage. Auch im gesellschaftlichen Diskurs muss dringend ein Umdenken stattfinden.

© SZ vom 01.09.2020
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