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Proteste in Iran:Der Ayatollah hat gesprochen

Mindestens ein Dutzend Tote, Hunderte Verhaftungen und ein Video, das um die Welt geht. Nach einer Woche des Protests in Iran steht nur eines fest: Die Zukunft des Gottesstaates ist ungewiss. Die Krise in Bildern.

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Iran, Proteste, Mussawi, Ahmadinedschad, dpa

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Nachdem sich Ayatollah Ali Chamenei eindeutig gegen eine breit angelegte Neuauszählung der Stimmen der iranischen Präsidentschaftswahl ausgesprochen hatte, erschütterten erneut heftige Proteste das Land. Nach einer Entscheidung des Wächterrates wurden zwar einige Stimmen neu augezählt, am Wahlsieg Mahmud Ahmadinedschads änderte dies jedoch nichts.

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Ahmadinedschad gab sich unterdessen präsidial: Er war bereits ins russische Jekaterinburg geflogen um am Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit teilzunehmen. Am 24. Juni empfing er in Teheran einen ausländischen Gast: Semyon Sharetsky, den Sprecher des weißrussischen Parlaments. Ob gerade dieser Besuch das richtige Mittel ist, um Ahmadinedschads demokratische Reputation nach der umstrittenen Wahl zu stärken, darf bezweifelt werden. Bei der Parlamentswahl in Weißrussland wurde 2008 kein Kandidat der Opposition zugelassen. Die OECD kritisierte die Wahlen als intransparent.

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Angespannte Ruhe: Polizisten überwachten am 23. Juni die Straßen von Teheran. Für den Nachmittag hatten Anhänger des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad eine Demonstration vor der britischen Botschaft angekündigt. Die konservative Regierung und Staatsoberhaupt Ayatollah Chamenei warfen dem Westen illegitime Einmischung in die inneren Angelgenheiten Irans vor. Das Innenministerium gab bekannt, dass die Demonstration nicht genehmigt sei.

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Doch manche Anhänger Ahmadinedschads ließen sich von diesem Verbot nicht abschrecken. Ungehindert verbrannten sie vor der britischen Botschaft amerikanische und israelische Fahnen. Die Regierung wirft Großbritannien Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans vor. Zwei britische Diplomaten wurden des Landes verwiesen, worauf London seinerseit mit der Ausweisung zweier Mitarbeiter der iranischen Botschaft reagierte.

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Ein Demonstrant drohte am 20. Juni den Sicherheitskräften. Die Protestierenden bauten immer wieder Barrikaden und steckten sie in Brand.

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Diese Aufnahme iranischer Sicherheitskräfte stammt von Nutzern des Online-Dienstes Twitter und wird von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Weil unabhängige Berichterstattung seit der Wahl wegen der Zensur immer schwieriger wurde, müssen Nachrichtenagenturen und andere Medien zunehmend auf offizielle iranische Medien oder nicht verifizierte Bildquellen im Internet zurückgreifen.

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Anhänger Mussawis lieferten sich das ganze Wochenende Straßenschlachten mit der Polizei.

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Ein Mann versuchte in Teheran, die Sicherheitskräfte mit einer Waffe - laut Nachrichtenagentur handelte es sich um ein Spielzeuggewehr - abzuschrecken.

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Ein Video geht um die Welt: Nach der angeblichen Ermordung Neda Agha-Soltans, einer jungen Iranerin, auf den Straßen von Teheran, bekommt die Protestbewegung für Mir Hussein Mussawi nicht nur eine weitere Märtyrerin, sondern auch ein Gesicht. Auch wenn nach wie vor nicht klar ist, wo und wann genau die Aufnahmen entstanden sind und ob es sich bei der Toten wirklich um eine Studentin namens Neda handelt, wurde sie innerhalb von nicht einmal 48 Stunden zum Symbol der weltweiten Solidaritätsbewegung ...

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... wie hier in Los Angeles: Eine junge Demonstrantin hält ein Schild in Gedenken an Neda und die Toten der iranischen Opposition hoch.

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Iran, Proteste, Mussawi, Ahmadinedschad, Berlin

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Auch in Berlin demonstrierten Exil-Iraner.

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Seit der Wahl am 12. Juni gingen die Proteste unvermindert weiter: In der Hauptstadt Teheran legten am 17. Juni Zehntausende Demonstranten den Verkehr lahm. Oppositionskandidat Mir Hussein Mussawi kündigte an, die Massenproteste sollten so lange fortgesetzt werden, bis die von Betrugsvorwürfen überschattete Präsidentschaftswahl wiederholt wird.

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Weibliche Unterstützung: Wie schon auf den Wahlkampfveranstaltungen demonstrierten viele iranische Frauen für Mussawi.

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Den 18. Juni hatte Mussawi zum Trauertag für die Toten der Demonstrationen erklärt und dazu aufgerufen, sich schwarzgekleidet in den Moscheen zu versammeln. Gleichzeitig forderte er die Regierung auf, die Hunderten Demonstranten, die während der Proteste festgenommen wurden, wieder freizulassen.

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Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni, die Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben gewonnen hat, wurde das Land von den schlimmsten Straßenkämpfen seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren erschüttert. Etliche Demonstranten sind während der Massenproteste der vergangenen Wochen verletzt worden, mindestens ein Dutzend wurde getötet.

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Auch Mehdi Karrubi, der bei der Wahl wie Mussawi gegen den Präsidenten angetreten war, zeigte sich am 17. Juni auf einer Demonstration der Opposition. Von anderer prominenter Stelle kam ebenfalls überraschend Unterstützung.

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Fünf iranische Nationalspieler liefen am 17. Juni im WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea mit grünen Armbändern auf - aus Solidarität mit der Bewegung Mussawis, die Grün zu ihrer Farbe gewählt hat. Darunter auch ehemalige Bundesligaspieler ...

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... wie der Ex-Bayern-Profi Ali Karimi, der gleich zwei der Bänder trug.

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Auch Masoud Soleimani trug das grüne Band - allerdings nur eine Halbzeit lang. Die meisten Spieler liefen in der zweiten Spielhälfte ohne die Bänder auf. Ob es eine Intervention der Regierung gegeben hat, ist nicht bekannt.

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Auch die Fans im Stadion von Seoul bekundeten ihre Unterstützung für den Oppositionskandidaten. Sportlich geholfen hat es Iran allerdings nicht - das Spiel endete 1:1, das Land kann sich nicht mehr für die Weltmeisterschaft qualifizieren.

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Iran, Demonstranten, Mussawi, Tehran, Nationalmannschaft, Armbänder, Südkorea, iranischer fan

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Die Aktion der Nationalspieler kam bei den Demonstranten gut an.

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Iran, Demonstranten, Mussawi, Tehran, Köln, Exil-Iraner

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Die globale Solidarität mit Ahmadinedschads Gegnern reißt unterdessen nicht ab. Weltweit demonstrieren Menschen gegen den vermeintlichen Wahlbetrug der iranischen Regierung, egal ob in Köln ...

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Iran, Demonstranten, Mussawi, Tehran, Kalifornien, Exil-Iraner

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... oder Kalifornien, wo die Gemeinde der Exil-Iraner seit Wochen protestiert.

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(sueddeutsche.de/jab)

Protest Friedhof1, AP

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Tausende Demonstranten protestierten am 30. Juli auf dem Gelände des Behesht-e Zahra Friedhofs außerhalbTeherans. Sie wollten dort nicht nur der erschossenen Neda Agha-Soltan gedenken,...

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Protest Friedhof2, AP

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sondern auch anderer getöteter Oppositioneller wie Sohrab Arabi. Friedhofsbesucher dokumentierten per Video, wie die Mutter Arabis den Tod ihres Sohnes beklagte. Aufgrund vieler solcher privater Aufnahmen gelangen trotz der Pressezensur des iranischen Regimes Informationen über die Aufstände nach außen. Die iranische Polizei versuchte auch auf dem Friedhof, die Protestierenden mit Tränengas und Schlagstöcken auseinander zu treiben.

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Protest Friedhof3, AP

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Die Protestierenden machten ihre Meinung durch das kollektive Aufzeigen des Victory-Zeichens deutlich. Am Handgelenk trugen einige Demonstranten grüne Armbänder: der Farbe des Protests gegen die iranische Regierung.

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Prozess 1, AFP

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Am 1. August begann in diesem Teheraner Gerichtssaal der Prozess gegen mehr als 100 Dissidenten. Die iranische Regierung wirft ihnen vor, sich gegen das politische System verschworen zu haben und an gewaltsamen Aufständen beteiligt gewesen zu sein.

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Prozess 2, AP

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In ihrer Häftlingsuniform warteten die Angeklagten im Gerichtssaal auf ihren Prozess. Unter ihnen befanden sich auch prominente Iraner wie der ehemalige Vize-Sprecher des Parlaments, Behzad Nabavi (Sechster von rechts)...

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Prozess 3, AFP

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und der iranische Kleriker Mohammad Ali Abtahi, der sich gegen die erhobenen Vorwürfe verteidigte, schließlich aber nachgab: Er zog seine Anschuldigungen gegenüber der iranischen Regierung zurück. Abtahi hatte ihr zuvor massive Wahlfälschung vorgeworfen.

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Amtseinführung, dpa

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Ob das Wahlergebnis gefälscht wurde oder nicht: Mahmud Ahmadinedschad bleibt Präsident. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bestätigte am 3. August dessen zweite Amtszeit.

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Rede, dpa

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Während der alte und neue Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Rede hält,...

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Diplomaten, AP

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...beobachten ausländische Diplomaten die Zeremonie.

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Parlament, dpa

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Am 5. August legte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auch vor dem iranischen Parlament den Amtseid ab. In seiner Rede vor den Abgeordneten beschwor er nicht nur die nationale Einheit.

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Rede Parlament, AP

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Ahmadinedschad ging in seiner Rede auch auf die westlichen Staaten ein, die ihm nicht zu seiner Wiederwahl gratuliert hatten. Niemand in Iran würde ihre Glückwünsche vermissen, so Ahmadinedschad.

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