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Proteste in Ägypten:Hunderte Verletzte bei Straßenschlachten in Kairo

Bei Demonstrationen für eine schnellere juristische Aufarbeitung brutaler Polizeieinsätze ist es in der ägyptischen Hauptstadt Kairo erneut zu schweren Ausschreitungen zwischen Polizei und Protestierenden gekommen. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Den zweiten Tag in Folge haben sich in Kairo Hunderte Jugendliche Straßenschlachten mit ägyptischen Sicherheitskräften geliefert. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt. Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf verschiedene offizielle Stellen zunächst von Dutzenden, später von Hunderten Verletzten. Am Abend wurde der stellvertretende Gesundheitsminister Abdul Hameed Abasah mit der Aussage zitiert, es habe in den vergangenen beiden Tagen über 1000 Verletzte gegeben. 120 seien in Krankenhäuser eingeliefert worden.

Jugendliche werfen Steine und Brandsätze, Polizisten setzen Tränengas ein: Hunderte Demonstranten lieferten sich im Zentrum von Kairo Straßenschlachten mit der Polizei.

(Foto: AP)

Die Straßen um den symbolträchtigen Tahrir-Platz, dem Zentrum der Proteste gegen den im Februar gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak, waren mit Steinen übersät. Schwarzer Rauch stieg von einem abgefackeltem Motorrad auf. Der Verkehr war den ganzen Tag über blockiert. Einige Jugendlichen kündigten an, sie wollten wieder eine Dauerbesetzung des Tahrir-Platzes organisieren.

Die Demonstrationen hatten am Vortag in einem angrenzenden Viertel begonnen. Am Dienstagabend hatten sich nach offiziellen Angaben mehr als 4000 Demonstranten über Stunden hinweg Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Rund um das Innenministerium zog Bereitschaftspolizei auf und setzte Tränengas gegen Demonstranten ein, die mit Steinen und Brandbomben reagierten. Mindestens 18 Autos und elf Geschäfte wurden beschädigt.

Ausschreitungen in diesem Ausmaß hat es in dem nordafrikanischen Land seit dem Aufstand gegen Mubarak nicht mehr gegeben. Die Demonstranten forderten eine zügige strafrechtliche Verfolgung von Polizisten, denen ein brutales Vorgehen während der Massenproteste von Anfang des Jahres vorgeworfen wird. Damals wurden etwa 850 Protestierende getötet. Rufe nach einer Absetzung "des Feldmarschalls" wurden laut, eine Anspielung auf Mubaraks langjährigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi. Er ist inzwischen Vorsitzender des Obersten Rats der Streitkräfte, der die Macht nach dem Sturz Mubaraks übernahm.

© AFP/dapd/dpa/Reuters/gal/beu
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