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CDU-Landrat Götz Ulrich:Kopf ab, Fallbeil, weißte Bescheid

Götz Ulrich

Erhält Morddrohungen: Götz Ulrich, Landrat in Sachsen-Anhalt.

(Foto: dpa)

Götz Ulrich war ein biederer Kommunalbeamter. Nun ist der für Tröglitz zuständige CDU-Landrat ein Symbol: dafür, dass bei einigen Menschen die Leitungen durchschmoren, wenn es um Flüchtlinge geht.

Es gibt Prominenz, um die niemand zu beneiden ist. Seit dem Brandanschlag von Tröglitz ist Götz Ulrich ein in diesem Sinne Prominenter. Bis zu diesem Anschlag war Ulrich, 45, CDU, der Landrat des Burgenlandkreises in Naumburg, zuständig für den Südzipfel Sachsen-Anhalts und für 184 000 Einwohner, denen man im Rest des Landes vor allem an den Pendlertagen auf der A 9 begegnet, Kennzeichen-Chiffre BLK. Seit dem Anschlag von Tröglitz ist Ulrich nur noch "der Landrat" und damit mehr, nämlich: ein Sinnbild.

Ulrich steht für den etwas biederen Kommunalbeamten, für politisches Mittelgebirge, und er steht nun zu seinem Pech auch dafür, dass im Ringen um den Umgang mit Flüchtlingen in diesem Land bei einigen Menschen die Leitungen durchschmoren. Götz Ulrich hat Morddrohungen erhalten, und weil so eine schnöde Morddrohung offenbar nicht mehr genügend geilen Grusel verspricht, sind die Drohenden diesmal etwas konkreter geworden: Kopf ab, wie damals in Frankreich, Fallbeil, weißte Bescheid.

Ein Lebenslauf, den man als im besseren Sinne unauffällig bezeichnen muss

Das also ist die Prominenz, die Götz Ulrich nun zugefallen ist. Sie passt so überhaupt nicht zu einem Lebenslauf, den man als im besseren Sinne unauffällig bezeichnen muss. Evangelisch, verheiratet, drei Kinder. Geboren in Naumburg an der Saale, Gründungsmitglied im Kneippkurverein Bad Bibra e.V. und dort auch wohnhaft. In Bad Bibra besuchte Götz Ulrich schon die Gemeinschaftsschule, als die noch Polytechnische Oberschule hieß. Den Grundwehrdienst leistete er in der NVA, in Gesamtdeutschland folgte das Studium der Rechtswissenschaften, Halle und Erlangen.

Und sonst? Recht viele politische Ämter, die aufzuzählen einen zu tief ins Mittelgebirge führen würde. Ulrich wollte schon als Kind Bürgermeister werden, er wurde es in der Verbandsgemeinde An der Finne. Ein Zeitungsartikel über seine Person ist überschrieben mit dem Zitat "Ich bleibe ein Kommunaler", es findet sich bei Durchsicht des Textes wirklich nicht viel Schmissigeres für den Titel.

Götz Ulrich ist nicht die Kassandra aus dem Burgenland, aber eine Vorahnung darf man ihm attestieren, wenn man sich noch einmal den "Neujahrsgruß des Landrates" durchliest, der auf dem 1. Januar 2015 datiert. Ulrich schreibt darin, seine Mitarbeiter und er würden vor große Herausforderungen gestellt, "wenn es gelingen soll, zahlreiche weitere Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge unterzubringen. Mir ist bewusst, dass dies bei vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auf große Skepsis stößt".

Ducken kann Ulrich sich jetzt nicht mehr

Die Herausforderungen fallen nun noch mächtiger aus, als das abzusehen war. Als im März Markus Nierth zurücktrat, der Ortsbürgermeister von Tröglitz, machte Ulrich als zuständiger Landrat zunächst nicht die beste Figur. Er wirkte geduckt, eher weicher Händedruck, im Ort hörte man eher weniger freundliche Worte über ihn. Nun kann sich Ulrich nicht mehr ducken. Dass er es gar nicht versucht, spricht für ihn. Zu beneiden ist er deswegen aber nicht.