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Polizeiaktion in Ägypten:Mehrere Tote bei Räumung von Protestlagern

Mursi-Anhänger liefern sich mit der ägyptischen Polizei Straßenschlachten in Kairo

(Foto: AFP)

Die ägyptische Übergangsregierung macht ihre Ankündigung wahr: Die Polizei blockiert Straßen, um die beiden Protestcamps der Mursi-Anhänger in Nasr City und Gizeh zu räumen. Sie setzt Tränengas-Granaten und scharfe Munition ein. Die Gewalt eskaliert. Medienberichten zufolge gibt es bereits mehrere Tote.

Die ägyptische Polizei hat am Mittwoch mit der Räumung der beiden Protestlager der Islamisten in Kairo begonnen. Bewohner des Viertels Nasr City und des Stadtteils Gizeh berichteten, die Einsatzkräfte hätten rund um die Zeltstadt der Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi Tränengas-Granaten und Gummigeschosse abgefeuert, auch scharfe Munition war dabei. Zuvor waren mehrere umliegende Straßen blockiert worden.

Für Berichte der Muslimbruderschaft, wonach mehr als 100 Demonstranten getötet und 2.000 verletzt wurden, gab es zunächst ebenso keine offizielle Bestätigung wie für Meldungen, wonach einige Anhänger der Muslimbruderschaft auf dem Al-Nahdha-Platz auf Polizisten geschossen haben sollen. Augenzeugen wollen mindestens 15 Leichen gezählt haben. Das Innenministerium sprach von zwei toten Sicherheitskräften. Die Demonstranten hätten das Feuer auf die Polizisten eröffnet, hieß es in einer Mitteilung.

Das kleinere von den beiden Camps ist fast vollständig geräumt

Im Staatsfernsehen war zu sehen, wie Bulldozer von den Demonstranten errichtete Barrikaden zerstörten. Das Ministerium erklärte darüber hinaus, dass der kleinere der beiden Plätze, der Al-Nahda-Platz, "vollständig unter der Kontrolle" der Sicherheitskräfte stehe. Polizisten hätten die meisten Zelte auf dem Platz abgerissen.

Wenige Minuten nach Beginn der Operation hatte das Innenministerium eine Erklärung an die Demonstranten verlesen. Darin heißt es, wer jetzt das Lager verlasse, werde nicht festgenommen, wenn kein Haftbefehl vorliege. Die Polizei warnte die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi davor, "Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde einzusetzen". Gleichzeitig erklärte das Ministerium, für die beiden Zeltlager am Al-Nahdha-Platz im Stadtteil Gizeh und vor der Rabea-al-Adawija-Moschee in Nasr-City (hier eine Übersicht) gebe es jeweils nur noch einen einzigen Ausgang.

Das ägyptische Nachrichtenportal "youm7" meldete, nachdem aus dem Sicherheitsapparat verlautet war, dass die Räumung der zwei Lager kurz bevorstehe, hätten sich einige der Islamisten zum Rückzug entschlossen. Vor allem Frauen hätten die Zeltstädte am frühen Morgen verlassen. Andere Teilnehmer der Protestaktionen hätten jedoch an den Barrikaden am Eingang Position bezogen, um mögliche Angriffe der Polizei abzuwehren.

Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des entmachteten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi war am späten Dienstagabend in Kairo ein Mensch ums Leben gekommen. Wie die Zeitung "Al-Ahram" in ihrer Online-Ausgabe berichtete, feuerte die Polizei Tränengas auf die Menschenmenge ab, um die Kontrahenten zu trennen. Mehrere Demonstranten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Hunderte Islamisten waren am Dienstag in mehreren Demonstrationszügen durch die ägyptische Hauptstadt gezogen.

Die Übergangsregierung hatte der Polizei die Räumung der Lager genehmigt. Die Protestierenden fordern, dass der vom Militär entmachtete Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.