Politik kompakt Burka-Verbot: Islamisten drohen Frankreich

Frankreich gerät wegen seines Burka-Verbots verstärkt ins Visier von Islamisten. In Internet-Foren riefen zahlreiche Extremisten zu Anschlägen auf Franzosen in Europa und Afrika auf, wie eine Auswertung des US-Online-Dienstes SITE ergab. "Erklärt dem Kreuzzügler Frankreich den Krieg!", forderte etwa der Blogger Al-Katebat Al-Khdra. "Mit dieser Entscheidung hat Frankreich Zerstörung und Leid über sich selbst gebracht."

Ein anderer Internet-Nutzer rief den al-Qaida-Ableger in Nordafrika auf, Anschläge gegen Frankreich zu verüben. "Sarkozy, lass unsere Schwestern in Ruhe, oder wir werden unseren Worten Taten folgen lassen", drohte ein anderer Blogger.

Während Spanien und Großbritannien in den vergangenen Jahren Ziel von al-Qaida-Attentätern geworden waren, ist das Nato-Mitglied Frankreich trotz seiner Beteiligung am Afghanistan-Einsatz bislang von Anschlägen verschont geblieben. Im Oktober hatte allerdings al-Qaida-Anführer Osama bin Laden die französischen Pläne für das Burka-Verbot kritisiert und erklärt, Frankreich verdiene dafür angegriffen zu werden.

Das Verbot ist am Montag in Kraft getreten: Das Tragen einer Ganzkörperverschleierung kann seitdem mit einer Geldstrafe von 150 Euro geahndet werden. Die Behörden können auch einen Kurs in Staatsbürgerkunde anordnen. Die Türkei kritisierte die Entscheidung am Mittwoch. Ministerpräsident Tayyip Erdogan warf der Regierung in Paris vor, mit dem Beschluss gegen die Religionsfreiheit zu verstoßen.

(Reuters)