PKK-Führer Öcalan:Vom Staatsfeind zum Hoffnungsträger

Abdullah Öcalan organisierte den Kampf der Kurden gegen den türkischen Staat - Tausende Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben. Seit 15 Jahren sitzt der PKK-Führer in einem türkischen Gefängnis. Der Krieg in Syrien verschafft ihm neue Aufmerksamkeit.

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PKK-FHRER OCALAN

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Abdullah Öcalan organisierte den Kampf der Kurden gegen den türkischen Staat - Tausende Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben. Seit 15 Jahren sitzt der PKK-Führer in einem türkischen Gefängnis.

Für die Türkei war Abdullah Öcalan für viele Jahre ein Staatsfeind, bei seinen Anhängern genießt der Führer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eine kultartige Verehrung. Bereits 1972 muss der Politikstudent als Mitglied einer linksextremen Organisation mehrere Monate ins Gefängnis. Weil er sich innerhalb der türkischen Linken als Kurde diskriminiert fühlt, engagiert er sich für eine marxistisch geprägte kurdische Bewegung. Am 27. November 1978 gründet Öcalan mit Gefolgsleuten die PKK. Die Untergrundbewegung kämpft für einen unabhängigen Staat Kurdistan beziehungsweise für die Autonomie kurdisch besiedelter Gebiete.

1991 FILE PHOTO OF KURDISH GUERRILLA LEADER ABDULLAN OCALAN

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Öcalan führt die PKK mit eiserner Hand, Dissidenten lässt er töten. Nach dem türkischen Militärputsch im Jahr 1980 muss der von seinen Anhängern "Apo" (Onkel) gennante Öcalan nach Syrien fliehen. Aus der Hauptstadt Damaskus organisiert er von 1984 an den bewaffneten Kampf gegen die Türkei. Die PKK unterhält im Bekaa-Tal an der Grenze zwischen Syrien und dem Libanon ein Hauptquartier für ihre Kämpfer (Bild von 1991). Das Regime von Präsident Hafiz al-Assad unterstützt ihn dabei bis 1998. Dann wendet sich die syrische Regierung von ihm ab, weil die Türkei offen mit einem Krieg droht. In seine Zeit in Syrien fällt auch seine zunehmende Hinwendung zum Islam.

KURDISH PROTESTERS HOLD A PORTRAIT OF TURKISH GUERILLA OCALAN

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Am 12. September 1998 wird Öcalan ein von Deutschland ausgestellter Haftbefehl zum Verhängnis. Dieser war bereits im Jahr 1990 nach dem mutmaßlichen Mord an einem abtrünnigen PKK-Mitglied in der hessischen Stadt Rüsselsheim erlassen worden. Am römischen Flughafen Fiumicino wird der PKK-Führer festgenommen. Weil die rot-grüne Bundesregierung Ausschreitungen befürchtet, verzichtet sie jedoch auf ein Auslieferungsgesuch. Öcalan wird daraufhin am 16. Dezember wieder auf freien Fuß gesetzt.

Auf diesem Bild demonstrieren PKK-Anhänger vor dem UN-Sitz der armenischen Hauptstadt Jerewan für die Freilassung des Kurdenführers.

TURKISH SPECIAL FORCES SIT WITH CAPTURED KURDISH LEADER OCALAN

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Doch wenig später verliert Öcalan seine Freiheit erneut. Nachdem er in mehreren Ländern, unter anderem Italien und Griechenland, vergeblich um Asyl gebeten hatte, verschleppen ihn türkische Geheimagenten am 15. Februar 1999 in Kenia und bringen ihn an Bord eines Flugzeugs in die Türkei.

Nachdem man ihm die Augenbinde abgenommen hatte, sollen die Sicherheitskräfte "Willkommen zu Hause" zu Öcalan gesagt haben. Der zog eine Grimasse und erwiderte demnach: "Danke. Ich liebe die Türkei und das türkische Volk."

KURDISH REBEL LEADER ABDULLAH OCALAN FILE PHOTO

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Einen Tag später präsentiert die Türkei ihren gefangenen Staatsfeind mit Augenbinde und Handschellen vor der türkischen Flagge. Öcalan wird auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftiert, etwa 60 Kilometer von Istanbul entfernt.

KURDEN-DEMONSTRATIONEN FRANKFURT/MAIN

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Als die Öffentlichkeit von der Verschleppung Öcalans in die Türkei erfährt, kommt es zu gewalttätigen Protesten, Selbstverbrennungen, und kurdische Bürger besetzen Botschaften in der Türkei und anderen europäischen Ländern. Auch in Deutschland muss die Polizei eingreifen und nimmt einige Demonstranten fest, die das griechische Konsulat in Frankfurt am Main belagert hatten. Deutschlands damaliger Innenminister Manfred Kanther (CDU) hatte die PKK bereits 1993 als terroristische Vereinigung verboten. 

SEVERAL THOUSANDS KURDS DEMONTRATE IN STRASBOURG

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Der 15. Februar 1999 ist vielen Anhängern Öcalans in Erinnerung geblieben. Hier protestieren zum ersten Jahrestag seiner Festnahme Tausende in der französischen Staat Straßburg gegen seine Inhaftierung.

Abdullah Öcalan

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Doch die Türkei lässt Öcalan nicht frei, sondern macht ihm vor einem Militärtribunal den Prozess. Die Anklage lautet auf Hochverrat. Am 29. Juni 1999 fällt das Gericht ein Todesurteil - Öcalan lauscht der Verkündung in einem schusssicheren Glaskasten.

DEMONSTRANTEN FORDERN ÖCALANS TOD

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Auf internationalen Druck hin wird das Urteil aber nicht vollstreckt. Das kommt in nationalistischen Teilen der türkischen Bevölkerung nicht gut an. Sie fordern weiter den Tod des kurdischen Unabhängigkeitskämpfers. Nachdem die Türkei die Todesstrafe 2002 abgeschafft hatte, um die Chancen auf einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union zu verbessern, wird die Todes- in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

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In den Jahren seiner Haft branden immer wieder Proteste von Kurden auf, die die Freilassung Öcalans fordern. So kommt es zum Beispiel am 14. Juli 2012 in Diyarbakir - der Gründungsprovinz der PKK im Südosten der Türkei - zu Straßenschlachten zwischen der türkischen Polizei und Hunderten PKK-Anhängern.

File photo showing Turkish soldiers and officials (wearing black coats) who had been held captive by PKK militants are seen before they are released in the northern Iraqi city of Dohuk

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Im vergangenen Jahr mehren sich die Zeichen, dass sich beide Seiten um eine friedliche Lösung des Konflikts bemühen, in dem etwa 40 000 Menschen getötet wurden. Anfang März 2013 lassen militante PKK-Mitglieder in der nordirakischen Stadt Dohuk gefangen gehaltene türkische Soldaten und Regierungsbeamte (in schwarzen Anzügen) frei.

Protesters carry pictures of Abdullah Ocalan, jailed leader of PKK, during demonstration in support of Kurdish fighters and besieged citizens of Kobani and against the Islamic State, in Aleppo

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Der Krieg in Syrien und der Widerstand der Kurden gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" haben der PKK und ihrem Gründer wieder zu weltweiter Aufmerksamkeit verholfen. Demonstranten im syrischen Aleppo feiern die kurdischen Verteidiger der belagerten Stadt Kobanê - einige halten Plakate mit dem Bild des inhaftierten Öcalan in die Höhe.

Demirtas, co-chairman of the pro-Kurdish Peace and Democracy Party, lights a traditional Newroz fire during a rally to celebrate the spring festival of Newroz in Istanbul

Quelle: REUTERS

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Als ein Vermittlungspartner zwischen türkischer Regierung und PKK tritt die legale pro-kurdische Friedens- und Demokratiepartei (BDP) auf, deren Funktionäre Öcalan in der Haft auf Imrali besuchen dürfen. 

Derzeit begehen die Kurden das traditionelle Neujahrsfest Newroz. Hier entzündet der stellvertretende Vorsitzende der BDP, Selahattin Demirtas, in Istanbul am 17. März das Newroz-Feuer. Im Hinterrund  zu sehen ist Abdullah Öcalan. Jetzt rief der PKK-Führer seine Anhänger zu einer Waffenruhe auf.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/mane/mikö
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