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Pflege:Applaus und mehr

Was jetzt geleistet wird, sollten alle über ihre Steuern bezahlen.

Von Henrike Roßbach

Vieles ist anders in der Corona-Krise, auch die Wertschätzung, die bestimmten Berufsgruppen nun entgegengebracht wird. Ob Pflegerinnen, Kassiererinnen oder Müllabfuhr - plötzlich wissen viel mehr Menschen als sonst, was sie an diesen Beschäftigten haben. Und seit Eltern sehr explizit erleben dürfen, wie es ist, den ganzen Tag mit ihren eigenen Kindern zusammen zu sein, dürfte auch das Ansehen von Lehrern und Erzieherinnen deutlich gestiegen sein.

Inmitten dieser Wertschätzungswelle und den Applausverabredungen auf den Balkonen hat die Regierung nun höhere Mindestlöhne für Pflegerinnen und Pfleger beschlossen. Erstmals wird nach Qualifikation differenziert, und die Lohnlücke zwischen Ost und West soll sich ebenfalls schließen. Das ist gut, gut genug aber nicht. Besser wäre ein allgemeinverbindlicher Branchentarifvertrag, der noch viel mehr zugunsten der Beschäftigten regeln würde, als Mindestlöhne es können.

Dass Verhandlungen zäh werden, wenn's ums Geld geht, zeigt das Ringen um die Finanzierung der 1500-Euro-Prämie für Pfleger. Eine schnelle Einigung ist geboten, um die Geste nicht zu beschädigen. Weil das, was derzeit in der Pflege geleistet wird, allen nutzt, sollten es auch alle über ihre Steuern bezahlen - und nicht nur die Beitragszahler in der Pflegeversicherung.

© SZ vom 23.04.2020

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