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Parteiaufnahme von Lucy Redler:Die Linke will die "Rote Lucy" nicht

Die Rebellin muss draußen bleiben: Eine Schiedskommission der Linken lehnt den Aufnahmeantrag der 29-jährigen Marxistin Lucy Redler ab.

Die jahrelange WASG-Rebellin Lucy Redler darf nicht Mitglied der Berliner Linken werden. Nach Angaben der Partei gab die Landesschiedskommission am Donnerstag dem Einspruch des Vize-Bundesvorsitzenden Klaus Ernst gegen den Parteieintritt der bekennenden Marxistin statt.

Sie war die große Rebellin in der WASG, jetzt lässt die Linke die "Rote Lucy" abblitzen.

(Foto: Foto: AP)

Als früheres Mitglied der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) hatte Redler die Fusion der WASG mit der Ex-Linkspartei zur Linken im Sommer 2007 heftig bekämpft. Dabei setzte sie sich auch über Beschlüsse der Bundespartei hinweg.

Zusammen mit Redler wurde auch einem weiteren Mitglied der trotzkistischen Splittergruppe "Sozialistische Alternative Voran" der Parteieintritt verwehrt. In einer kurzen Mitteilung der Linken hieß es zur Begründung, die Aussagen der beiden während der Verhandlung geben "Anlass zu der Überzeugung, dass sie nicht bereit sind, demokratisch gefasste Beschlüsse beispielsweise von Parteitagen zu respektieren und diese einzuhalten". Redler kündigte noch am Abend an, Widerspruch bei der Bundesschiedskommission einzulegen.

Unter den Realpolitikern der Berliner Linken, aber auch an der Bundesspitze der Partei gab es nicht wenige, die auf Redlers Unterstützung gern verzichten mochten. "Dass das Beitrittsgesuch nicht gerade Begeisterung auslöst bei uns, ist klar", sagte der Sprecher des Landesverbandes, Thomas Barthel vor der Entscheidung.

Zu gut erinnerten sich viele noch an den Medienrummel, den die studierte Volkswirtin und trotzkistische Teilzeitjournalistin 2006, vor der letzten Berliner Landeswahl, auslöste. Damals geisterte ihr attraktives Gesicht monatelang durch Talkshows und stand vor allem für eines: Krach in der Linken.

Redler geißelte mit populistischen Thesen den Sparkurs des rot-roten Senats und warf Ex-PDS-Politikern neoliberales Denken vor. Dass Redler - anders als beim linken Parteitag beschlossen - in Berlin für die WASG antrat und gegen die einstige PDS, wurde als parteischädigendes Verhalten ausgelegt.

Die Quittung kam im vergangenen Herbst, von der Bundesspitze der Linken. Der WASG-Gründer und Vize-Fraktionschef im Bundestag, Klaus Ernst, erhob Einspruch gegen Redlers Antrag, dem Linken-Bezirksverband in Neukölln beizutreten.

Die Neuköllner wiesen Ernsts Widerspruch zurück, also musste die Landesschiedskommission entscheiden. Es sollte aber auch der Eindruck vermieden werden, bei der Berliner Linken seien regierungskritische Stimmen unerwünscht. "Wir wollen keine Kaderpartei alten Stils sein, in der nicht jeder sagen kann, was er will", sagte Barthel.