Parlamentswahlen:Griechenland am Abgrund

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Die Griechen haben gewählt und den Sozialisten Giorgos Papandreou zum Premier gemacht. Eine Wende, ja - aber nicht die Kehrtwende, die sie dringend nötig hätten.

Kai Strittmatter

Mit Griechenland ist es wie mit der Comicfigur, die auf die Klippe zurennt, dann, anstatt zu bremsen, einfach weiterläuft und zuletzt noch eine Weile in der Luft strampelt - während unten längst der Abgrund wartet. Gerade strampelt das Land.

Die Griechen haben gewählt. Einen Wechsel, ja. Aber nicht die Kehrtwende, die sie dringend nötig hätten. Ein neues Gesicht, ja - aber eines, in dem sie das vertraute Alte wiedererkennen.

Jeder hält sich schadlos

In einem Moment, da das Land einen radikalen Neuanfang nötig hätte, hat es Giorgos Papandreou zum Premier gemacht. Er ist ein Spross jener Dynastien, die die Macht seit einem halben Jahrhundert unter sich aufteilen und verantwortlich sind für die Agonie.

Papandreou selbst gilt als persönlich integer. Aber das Volk hat im Wesentlichen seinen Widersacher Karamanlis abgewählt und eine Alternative gab es nicht. Selbst wenn es dem neuen Regierungschef ernst wäre mit der Ankündigung, dem Nepotismus an den Kragen zu gehen - er müsste sich erst einmal mit seiner eigenen Partei Pasok anlegen, in der die alten Strukturen noch lebendig sind. Dann mit den Ministerien, die eigene Fürstentümer sind. Dann mit den Lobbys, die das Land im Würgegriff halten.

Und schließlich mit den Griechen selbst. Denn wenn auch der Verstand vielen sagt, dass sich die Dinge ändern müssen, so sind sie doch Komplizen: Jeder hält sich schadlos, wo er kann, auf der Strecke bleibt das Gemeinwohl.

Und so werden viele Menschen Papandreou nicht wegen seiner Reformversprechen gewählt haben, sondern wegen seiner Ankündigung, schnell drei Milliarden Euro unters Volk zu bringen. Dabei ist Griechenland pleite. Noch strampelt das Land. Unten gähnt der Abgrund.

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