Parlamentswahl in Pakistan Ex-Cricket-Profi Khan erklärt sich zum Wahlsieger

Imran Khan hat sich zum Sieger der Parlamentswahlen in Pakistan erklärt. Mehrere Fernsehsender sehen ihn klar vorne. Das offizielle Ergebnis steht noch aus.

(Foto: REUTERS)
  • Der Oppositionspolitiker Imran Khan hat sich zum Sieger der Parlamentswahl in Pakistan erklärt.
  • Seine Partei Tehreek-e-Insaf erhielt nach Medienberichten 119 der 270 zur Wahl freigegebenen Unterhaussitze.
  • Die regierende Pakistanische Muslimliga-Nawaz spricht von "Manipulation".

Nach der Parlamentswahl in Pakistan hat sich der ehemalige Cricket-Profi Imran Khan zum Sieger erklärt. Khan, der für die Oppositionspartei Tehreek-e-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit) angetreten war, sagte am Donnerstag: "Wir waren erfolgreich, und wir haben ein Mandat erhalten." Khan will der nächste Premierminister Pakistans werden. "So Gott will, werden wir ein Beispiel setzen", sagte er in einer Fernsehansprache. Am Hauptquartier von Khans Partei in der Hauptstadt Islamabad tanzten seine Anhänger bereits jubelnd zu Trommelwirbel. Das offizielle Wahlergebnis steht aber noch aus. Auf Basis von Teilergebnissen schätzten über ein Dutzend pakistanische Fernsehsender, dass Khans Partei Tehreek-e-Insaf 119 der 270 zur Wahl freigegeben Unterhaussitze erhalte.

In seiner Fernsehansprache rief Khan zu Friedensgesprächen mit dem verfeindeten Nachbarland Indien auf. "Wir müssen uns an einen Tisch setzen und das Problem lösen", sagte er mit Bezug auf den Kaschmir-Konflikt. Die beiden Atommächte Indien und Pakistan streiten seit 1947 um das strategisch bedeutsame Berggebiet Kaschmir. Eine Hälfte des Gebiets kontrolliert Pakistan, die andere Indien. Ein kleiner unbewohnter Streifen im Gebirge wird von einer dritten Atommacht, China, gehalten, das ansonsten aber keine territorialen Ansprüche auf die Krisenregion erhebt.

Wahlverlierer warnt vor Unruhen

Die regierende Pakistanische Muslimliga-Nawaz hatte bereits nach der Wahl am Mittwoch von "Manipulation" gesprochen. Der Chef der Muslimliga, Shahbaz Sharif, sprach von Betrug und kündigte an, das Resultat nicht anzuerkennen. Den TV-Schätzungen zufolge erhielt seine Partei 61 Sitze. Auf Twitter sagte Sharif, der demokratische Prozess im Land sei um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Auch eine unabhängige Menschenrechtskommission äußerte Kritik. In manchen Orten seien Frauen von der Wahl ausgeschlossen worden, hieß es in einer Mitteilung. Andernorts hätten Wahlhelfer eine Voreingenommenheit für eine Partei demonstriert. Um welche Partei es sich handelte, wurde in dem Bericht nicht gesagt.

Maryam Aurangzeb von der Muslimliga warnte vor möglichen Unruhen, falls sich die Betrugsvorwürfe als wahr entpuppen sollten. "Bisher kontrollieren wir unsere Unterstützer noch, doch wir werden sie nicht länger zur Zurückhaltung überreden können, wenn die Ergebnisse zum Nachteil unserer Partei manipuliert wurden", sagte sie.

Neben den 270 zur Wahl freigegebenen Sitzen gibt es im Unterhaus noch 72 Sitze, die für Frauen und Minderheiten reserviert sind. Für zwei Sitze wurde die Wahl verschoben, nachdem ein Kandidat im Wahlkampf gestorben und ein weiterer von der Wahl ausgeschlossen worden war.

Wahlberechtigt waren knapp 106 Millionen Pakistaner. Bei der Abstimmung vom Mittwoch wurden die Nationalversammlung und vier Provinzparlamente neu gewählt. In dem südasiatischen Land wird die dritte Zivilregierung in Folge bestimmt. Während des Wahlkampfes wurden Befürchtungen laut, dass das Militär die Wahl beeinflussen könnte. Es regierte Pakistan direkt oder indirekt für die längste Zeit seiner 71-jährigen Geschichte. Während der Wahl waren 350 000 Soldaten im Einsatz. General Asif Ghafoor bezeichnete die Vorwürfe auf Twitter als "bösartige Propaganda".

In der Millionenstadt Quetta überschattete ein Selbstmordanschlag die Abstimmung. Ein Attentäter auf einem Motorrad riss vor einem Wahllokal nach Angaben eines Krankenhausarztes 31 Menschen mit in den Tod.

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