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NSU-Prozess:Von Aachen bis Würzburg

Das NSU-Trio hatte eine Liste mit Adressen von 233 jüdischen Einrichtungen angelegt. Im NSU-Prozess lasen die Richter sämtliche Namen vor.

Eine weitere Spur führt von den mutmaßlichen NSU-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zur Synagoge an der Rykestraße in Berlin. Ermittler des Bundeskriminalamts entdeckten die Adresse des jüdischen Gotteshauses auf einem Datenträger der drei Neonazis. Er lag im Brandschutt des letzten Verstecks von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt in Zwickau. Es gibt den Verdacht, dass die drei die Synagoge als mögliches Anschlagsziel ausgespäht haben.

Insgesamt 233 Adressen jüdischer Einrichtungen hatten die mutmaßlichen NSU-Terroristen gespeichert. Unter den aufgelisteten Einrichtungen sind außer der Synagoge an der Rykestraße in Berlin weitere Synagogen, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Friedhöfe, Altenheime, Museen, Bildungs- und Begegnungsstätten in ganz Deutschland.

Vor dem Oberlandesgericht München lesen die Richter am Dienstag sämtliche Adressen jüdischer Einrichtungen vor - von der Jüdischen Gemeinde Aachen bis zur Israelitischen Gemeinde Würzburg. Es dauert etwa eine halbe Stunde. Zschäpe schaut währenddessen auf ihren Laptop. Auf den großformatigen Ausdruck der Liste mit den jüdischen Orten, der neben ihr liegt, schaut sie nicht. Ihren Mund und ihre Nase verdeckt sie mit ihrem Halstuch.

Ein Polizist hatte Zschäpe und wahrscheinlich Uwe Mundlos am 7. Mai 2000 vor der Synagoge an der Rykestraße gesehen. Der Polizist war damals als Objektschützer der Synagoge im Einsatz. Die Frau war ihm aufgefallen, wie sie in Begleitung zweier Männer, einer Frau und zweier Kinder in einem Café gegenüber der Synagoge saß. Am Abend sah der Polizist die MDR-Sendung "Kripo live", in der nach Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gefahndet wurde. Er erkannte Zschäpe sicher und Mundlos mit leichten Zweifeln wieder. Noch am selben Abend meldete er seine Beobachtung der Polizei.

Das Gericht misst den Angaben des Zeugen offenbar große Bedeutung bei. Der Vorsitzende Richter hatte nach dessen Aussage vor Gericht das Bundeskriminalamt beauftragt, die bei Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt im Brandschutt sichergestellten Asservate systematisch nach Hinweisen auf jüdische Einrichtungen zu durchforsten. Sie fanden 233 Treffer.

Zschäpe hat an einem früheren Verhandlungstag bereits eingeräumt, etwa zur fraglichen Zeit mit Mundlos und Böhnhardt in Berlin gewesen zu sein. Eine Synagoge will sie nicht kennen, schon gar nicht ausgespäht haben.