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US-Waffenlobby:NRA meldet taktischen Konkurs an

US-Waffenlobby NRA

Die New Yorker Klage zielt auf ein Ende der NRA ab.

(Foto: Johnny Hanson/dpa)

Die National Rifle Association will ihren Sitz nach Texas verlegen, um sich der Strafverfolgung in New York zu entziehen. Dort ist sie wegen schwerer Untreue angeklagt.

Die mächtige US-Waffenlobby-Organisation National Rifle Association (NRA) hat nach eigenen Angaben Insolvenz angemeldet. Sie will damit als Teil einer angeblichen "Restrukturierung" ihren rechtlichen Sitz von New York nach Texas verlegen, teilte die NRA am Freitag mit. Die Insolvenz sei Teil eines "neuen strategischen Plans". Die NRA betonte, die finanzielle Lage der Organisation sei stark. Auch werde es keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Betrieb oder die Personalstärke geben. Die Organisation begründete den Schritt mit dem Ziel, ein in ihren Augen "vergiftetes" und "korruptes" politisches Umfeld in New York zu verlassen.

Die Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaates New York, Letitia James, hatte im August Anklage gegen die NRA erhoben, um deren Auflösung zu erreichen. "Betrug und Missbrauch" seien über Jahre an der Tagesordnung gewesen, sagte sie zur Begründung. Unter anderem sollen Führungspersönlichkeiten Geld für Luxusreisen veruntreut und Aufträge an Familienmitglieder und Freunde vergeben haben.

Die NRA besitzt in den USA gemeinnützigen Status und unterliegt daher besonderen Auflagen für Verwendung der Spenden, Wohltätigkeit und Rechnungslegung. Sie gilt als rechts-konservative Organisation mit großem politischem Einfluss und als loyale Unterstützerin vor allem von Republikanern des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump. Die Anklageerhebung im Sommer hatte Trump als "schreckliche Sache" bezeichnet und damals schon geraten, die NRA solle ihren Sitz nach Texas verlegen.

Die NRA hat ihren Sitz in Fairfax im Bundesstaat Virginia, kann aber in New York rechtlich verfolgt werden, weil dort ihre Eintragung als gemeinnützige Organisation hinterlegt ist.

James erklärte nach der Ankündigung der NRA, sie werde die Dokumente prüfen, es der Organisation aber nicht erlauben, "diese oder irgendeine andere Taktik" zu nutzen, um sich der Rechenschaftspflicht und Aufsicht ihrer Behörde zu entziehen.

© SZ/dpa/kler
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